Ärzte Zeitung online, 27.10.2008

Angeklagte HNO-Ärztin erhält kein sofortiges Berufsverbot

SIGMARINGEN (dpa). Die Schlamperei-Vorwürfe gegen eine HNO- Ärztin aus Bad Saulgau in Baden-Württemberg sind den Behörden nicht konkret genug, um die Praxis sofort zu schließen. Obwohl sich 1800 Patienten auf eine Infektion mit Aidsviren und Hepatitis testen lassen sollen, sei eine Verurteilung der 56 Jahre alten Fachärztin alles andere als sicher.

Das sei aber Voraussetzung für ein sofortiges Berufsverbot, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart am Montag.

Das Landratsamt Sigmaringen hatte Ende vergangener Woche Alarm geschlagen, weil Patienten mit nicht desinfizierten medizinischen Geräten behandelt worden sein sollen. Viele besorgte Patienten suchten am Montag Rat bei ihrem Hausarzt und dem Gesundheitsamt.

Das Regierungspräsidium werde den Fall neu bewerten, sobald es weitere Beweise gebe, betonte der Sprecher. Sobald absehbar sei, dass die 56-Jährige mit hoher Wahrscheinlichkeit verurteilt wird, werde die Bezirksregierung ihr die Zulassung als Ärztin nehmen. Der Prozess beginnt am 19. November vor dem Landgericht Ravensburg.

In der Praxis sollen zwischen Januar 2005 und Oktober 2007 unter anderem Einmalspritzen mehrfach verwendet worden sein, Infusionsbesteck und Mundstücke sollen nicht ausreichend desinfiziert worden sein. Die Ermittlungen waren ins Rollen gekommen, nachdem zwei Arzthelferinnen unabhängig voneinander schwere Vorwürfe erhoben hatten.

Lesen Sie dazu auch:
Verunreinigte Spritzen? 1800 Patienten zum Hepatitis- und HIV-Test aufgerufen

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