Ärzte Zeitung online, 21.11.2008

Kaffeefahrt mit Nebenwirkungen: Apotheker gegen Arzneiabgabe

HAMBURG (di). Veranstalter von Kaffeefahrten haben Arzneimittel als lukrativen Markt entdeckt. Apotheker aus Hamburg warnen vor den damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Auf "moralisch und juristisch dünnem Eis" sieht der Hamburger Apothekerverein Veranstalter so genannter Kaffeefahrten. Auf denen werden immer häufiger vermeintliche Wundermittel gegen Krankheiten angepriesen - und von den Reisenden gekauft.

Dabei fallen die Kunden auf einen simplen Trick herein: Die Veranstalter beantragen bei der Informationsstelle für Arzneispezialitäten (IFA) eine Pharmazentralnummer, womit ihre Produkte automatisch in die Einkaufsliste der Apotheken aufgenommen werden. Die meist utopischen Preise, mit denen sie für fragwürdige Heilsalben und ähnliche Produkte in der Apothekersoftware landen, können die Hersteller selbst festlegen.

Bei den Verkaufsveranstaltungen werden die Teilnehmer dann aufgefordert, sich mit einem Anruf bei ihrem Apotheker nach dem Preis für das beworbene Produkt zu erkundigen. Dann überzeugen die Veranstalter ihre Opfer vor Ort mit einem deutlich günstigeren Preis. "Dabei würde kein Apotheker einen solchen Unsinn überhaupt an seine Kunden abgeben", warnt Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins. Häufig arbeiten die Hersteller mit den Veranstaltern der Verkaufsfahrten Hand in Hand.

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