Ärzte Zeitung online, 05.12.2008

Mutter lässt Baby sterben - Anklage will dreieinhalb Jahre Haft

KIEL (dpa). Für eine Mutter, die ihr neugeborenes Baby auf der Toilette sterben ließ, hat die Staatsanwaltschaft am Freitag dreieinhalb Jahre Gefängnis gefordert. Die 26-Jährige habe sich des Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht, sagte Staatsanwalt Achim Hackethal vor dem Kieler Landgericht. Die Verteidigung forderte eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren und die Anordnung einer Therapie.

Die junge Frau, bereits Mutter eines Sohnes, hatte gestanden, Anfang Oktober 2007 nachts auf der Toilette sitzend allein eine Tochter geboren zu haben. Sie habe das Kind dann in der Toilettenschüssel liegenlassen - mindestens zweieinhalb, möglicherweise bis zu fünf Stunden, sagte Hackethal. Das lebensfähige kleine Mädchen erfror.

Die Tat der Angeklagten sei "ein Ausdruck ihrer unreifen Persönlichkeit und die Fortsetzung eines Verdrängungsmechanismus, der ihre Untätigkeit begründete", sagte der Ankläger. Sie sei dem Kind gegenüber nicht feindselig gewesen, "sondern unfähig, es anzunehmen".

Die junge Frau hatte die Schwangerschaft überall "aggressiv geleugnet". Auch dem Partner sagte sie davon nichts, verschwieg ihm auch die überraschende nächtliche Geburt und erklärte, sie habe einen Blutsturz erlitten. Bevor sie den Leichnam ihrer Tochter wusch, in einen Teppich wickelte und in einer Tasche versteckte, irrte die junge Frau nach eigenen Worten stundenlang im Haus umher. Sie gestand erst, als die Polizei vor ihrem Haus stand.

Zeugen hatten berichtet, die Angeklagte habe die Schwangerschaft auch dann noch vehement bestritten, als sie ab Sommer 2007 deutlich zu sehen gewesen sei. Als die junge Frau am Morgen nach der Geburt ihren Sohn in den Kindergarten brachte, sei der fehlende Bauch aufgefallen und man habe die Behörden alarmiert. Das Gericht will das Urteil am 15. Dezember verkünden.

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