Ärzte Zeitung online, 30.01.2009

Apotheker unter Betrugsverdacht - Staatsanwaltschaft ermittelt

LÜBECK (dpa). Die Lübecker Staatsanwaltschaft ist einem groß angelegten Betrug mit Arzneimitteln auf der Spur. Zwei Lübecker Apotheker sollen jahrelang nur für Klinikapotheken bestimmte Medikamente bei Pharmaherstellern gekauft und sie gewinnbringend an Pharmagroßhändler und niedergelassene Ärzte verkauft haben.

Bislang werde gegen zwei Lübecker Apotheker, zwei Pharmahändler und drei Mitarbeiter einer gesetzlichen Krankenkasse wegen Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Lübeck am Freitag mit. Die Ermittler gehen von einem Schaden in Millionenhöhe und einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung aus.

Bereits seit Ende 2007 ermitteln Spezialisten der Kriminalpolizei, Staatsanwälte und Bilanzbuchhalter in der Sache. Ende 2008 durchsuchten 80 Kripobeamte und sechs Staatsanwälte Wohn- und Geschäftsräume in Schleswig-Holstein und Hamburg, darunter auch eine Apotheke in Lübeck, einen Pharmagroßhandel, ein Krankenhaus und eine Krankenkasse. Wann genau und wodurch die Ermittlungen ins Rollen gekommen waren, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen.

Hintergrund der mutmaßlichen Betrugstaten ist die in Paragraf 14 des Apothekengesetzes geregelte strikte Trennung zwischen öffentlichen Apotheken und sogenannten Versorgungsapotheken. Diese Krankenhausapotheken können Medikamente zu sehr viel niedrigeren Preisen bei den Pharmafirmen kaufen, als öffentliche Apotheken. Dieses Gefälle sollen die beschuldigten Apotheker ausgenutzt haben, in dem sie die Krankenhausware an Apothekerkollegen weiterverkauft haben. Darüber hinaus sollen Mitarbeiter von Krankenkassen den Apothekern unberechtigte Preisnachlässe eingeräumt und sie veranlasst haben, niedergelassene Ärzte illegal mit Klinikware zu versorgen.

Der Deutsche Apothekerverband fordert seit Jahren, Klinikmedikamente deutlicher zu kennzeichnen, um die Umwidmung von Klinikware zu normaler Apothekenware zu verhindern.

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