Ärzte Zeitung online, 11.02.2009

Wirt übernimmt Verantwortung für tödliches Tequila-Wettsaufen

BERLIN (dpa). Im Prozess um ein Tequila-Wettsaufen hat der angeklagte Berliner Kneipenwirt die Verantwortung für den Tod eines 16-jährigen Schülers übernommen. "Es war falsch ohne Wenn und Aber", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung, die die Verteidigerin des 28- jährigen Wirtes zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht vorlas.

Er habe nicht mit dem Tod des Jungen gerechnet und ihn auch nicht gewollt. Er bedaure und bereue das Wetttrinken. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Gastwirt Körperverletzung mit Todesfolge vor (wie berichtet).

Der Mann soll den Schüler bei dem Wetttrinken im Februar 2007 animiert haben, mindestens 45 Tequila zu trinken, während er selber Wasser trank. Der Schüler fiel ins Koma und starb vier Wochen später an Alkoholvergiftung. In weiteren 173 Fällen soll der Wirt Alkohol an Kinder und Jugendliche ausgeschenkt haben. Der Tod des Schülers hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) forderte eine harte Strafe. Sie sei zwar keine Richterin, sagte Lompscher dem RBB-Sender Radio Eins, "aber ich denke schon, dass das Körperverletzung mit Todesfolge gewesen ist. Dann sollte die Strafe auch deutlich ausfallen". Zudem warnte Lompscher vor einer weiteren Zunahme des extremen Alkoholkonsums von Jugendlichen. Es gebe immer mehr Jugendliche, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kämen. Die Gesellschaft sei gefordert, dem Problem zu begegnen. "Schließlich bekommen die Jugendlichen den Alkohol meist von Erwachsenen."

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