Ärzte Zeitung online, 19.02.2009

Bessere Chancen für Frühchen - Lauterbach kritisiert Beschluss

BERLIN (dpa). Die Chancen der immer zahlreicheren Frühgeborenen in Deutschland sollen verbessert werden. So müssen Kliniken künftig Sterblichkeitsraten im Internet veröffentlichen. Die werdenden Eltern sollen auch über die Häufigkeit von Hirnblutungen, Netzhauterkrankungen und Darmentzündungen auf den Klinik-Websites informiert werden.

Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss von Kliniken, Ärzten und Krankenkassen am Donnerstag in Berlin. Bereits im Dezember hatte das Gremium beschlossen, dass Kliniken erfahren genug sein und mindestens zwölf Behandlungen von Frühgeborenen pro Jahr haben müssen. Die Beschlüsse kamen nach jahrelangem Streit zustande.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte heftige Kritik. Frühgeborene würden aus finanziellen Interessen mancher Krankenhäuser oft unnötigen Risiken ausgesetzt, sagte er zur dpa in Berlin. "Wir dürfen die Sicherheit der Kinder nicht dem Profit von Kliniken unterordnen." Er forderte das Gesundheitsministerium dazu auf, den Beschluss über die Mindestzahl zu beanstanden. Zwölf solcher Behandlungen seien viel zu wenig. Optimale Erfahrung hätten die Kliniken erst ab 50 Frühgeburten pro Jahr. "Transparenz ist immer gut, aber eine Veröffentlichungspflicht kann kein Ersatz sein für eine sichere Mindestmenge."

Lesen Sie dazu auch:
GBA berät über Versorgung von Frühgeborenen
Hilfe für Frühgeborene - ab heute Expertentreffen in Würzburg

Lesen Sie dazu auch:
Zweite Meinung schützt vor Arznei-Regress

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »