Ärzte Zeitung online, 02.03.2009

Einigung der Phoenix-Gläubiger in weite Ferne gerückt

FRANKFURT AM MAIN (dpa). Eine Einigung der rund 30 000 geprellten Anleger der Pleitefirma Phoenix Kapitaldienst ist nach Einschätzung des Insolvenzverwalters in weite Ferne gerückt.

Der Rechtsanwalt Frank Schmitt beschuldigte am Montag in Frankfurt am Main einzelne Anleger, ihre Partikularinteressen auf Kosten der großen Masse der Geschädigten durchgesetzt zu haben. Die Gläubiger müssten nun noch viele Jahre auf ihr Geld warten, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) den freiwilligen und von 99,7 Prozent der Gläubiger gebilligten Insolvenzplan für nicht rechtmäßig befunden hatte.

Nunmehr müsse das Geld nach dem deutlich komplizierteren Regelinsolvenzverfahren vergeben werden, erläuterte Schmitt. Wegen der erforderlichen Rechtssicherheit müssten in allen Fragen höchstrichterliche Entscheidungen abgewartet werden, was möglicherweise sechs Jahre dauern könne. Bis zur Klärung jedes einzelnen Anspruchs könnten zehn Jahre vergehen. "Das ist vor allem für die vielen älteren Anleger ein harter Schlag", sagte Schmitt. Er hatte ursprünglich vor, noch in diesem Jahr 200 der rund 230 Millionen Euro auszuzahlen. Immerhin deckten die Zinsen die zusätzlichen Kosten.

Eine Gläubigerversammlung hatte dem freiwilligen Plan im April 2007 fast einstimmig zugestimmt. Doch schon das Landgericht Frankfurt versagte dem Insolvenzplan die Bestätigung, nachdem institutionelle Anleger gegen das Verfahren geklagt hatten. Die CITCO Global Custody hatte argumentiert, dass sie erst wenige Monate vor der Insolvenz Anteile erworben habe und folglich ihre mehr als neun Millionen Euro noch komplett in der Insolvenzmasse vorhanden seien.

Die Frankfurter Firma Phoenix Kapitaldienst hatte mit Hilfe gefälschter Unterlagen Wertpapiergeschäfte vorgetäuscht und Anleger seit Anfang der 1990er Jahre um insgesamt gut 600 Millionen Euro geprellt. Der Betrug war Anfang 2005 aufgeflogen, weil nach dem Tod von Firmengründer Dieter Breitkreuz die Geschäftsführung gewechselt hatte. Phoenix Kapitaldienst musste Insolvenz anmelden. Zwei Ex-Manager wurden im Sommer 2006 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

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