Ärzte Zeitung online, 20.04.2009

Experte versteht Empörung über Kranken-Gespräche nicht

ULM/MÜNCHEN (dpa). Der Münchner Arbeitsrechtler Frank Achilles hat die Empörung über Krankenrückkehr-Gespräche bei der Drogeriemarktkette Müller als unverständlich bezeichnet. "Ich kann in der Sache keine Rechtsverstöße erkennen", sagte er der Münchner "Abendzeitung" (Montagsausgabe).

"Solche Krankenrückkehrgespräche sind nicht nur allgemeiner Usus, sondern rechtlich zulässig." Viele Arbeitgeber führten sie mit Einwilligung des Betriebsrates - beispielsweise die Bahn. Das Interesse des Arbeitgebers sei berechtigt - allein schon wegen des Entgeltfortzahlungsanspruchs, der bei gleich bleibender Grunderkrankung nach sechs Wochen ende.

Aus Sicht des Anwalts ist dies mitunter auch nötig, weil viele Ärzte bei der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung nicht zwischen Erst- und Folgebescheinigung unterscheiden. Anders sehe es dagegen aus, wenn der Arbeitgeber nach der konkreten Krankheit frage. Dann dürfe der Beschäftigte - ähnlich wie bei der Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch - die Antwort verweigern.

Am Wochenende war bekannt geworden, das auch die Drogeriemarktkette Müller möglicherweise gegen Datenschutzvorschriften verstößt. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wirft der Drogeriekette vor, gegen Datenschutzvorschriften zu verstoßen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Samstagsausgabe) berichtete, müssen die rund 18 000 Beschäftigten dem Unternehmen regelmäßig Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben. Wer krankheitsbedingt ausfalle, werde nach seiner Rückkehr zu einem Gespräch mit dem Vorgesetzten zitiert, berichtete ein Mitarbeiter dem Blatt.

Der Gewerkschaft ver.di hat nach ihren Angaben ähnliche Hinweise aus der Belegschaft erhalten. Nach Lidl und Daimler wäre dies die dritte Affäre um Krankendaten von Beschäftigten, die in diesem Monat bekannt wurde.

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