Ärzte Zeitung online, 22.06.2009

Eingeschlafen und Flug verpasst - kein Schadenersatz

MÜNCHEN(dpa). Verpasst ein Reisender seinen Anschlussflug, weil er beim Warten eingeschlafen ist, kann er die Reiseleiterin und deren Unternehmen dafür nicht haftbar machen. Jedenfalls dann nicht, wenn die Reiseleiterin ihre Gruppe vorher auf den bevorstehenden Check-In hingewiesen hat, wie das Amtsgericht München in einem am Montag veröffentlichten Urteil festgestellt hat.

Das Reiseunternehmen hatte die Kosten für den verspäteten Weiterflug in Höhe von 281 Euro ausgelegt und den Fluggast später verklagt, als dieser die Bezahlung verweigerte. Der Mann hatte im Herbst 2006 eine Pauschalreise in den Jemen gebucht. Bei einem planmäßigen Stopp in Dubai mit gut sieben Stunden Aufenthalt hatte er alkoholische Getränke konsumiert und seinen Flug verpennt. Der entscheidende Faktor im Prozess war, dass die Reiseleiterin den Mann rechtzeitig vor dem Check-In geweckt hatte. Er hatte ihr gesagt, er komme nach, war dann aber doch wieder eingenickt. Die Reiseleiterin habe mit der Weck-Aktion ihre Betreuungspflicht erfüllt, betonte das Gericht.

Der Mann habe nicht verlangen können, dass die Reiseleiterin am Schalter wartete und vergleichbar einer Lehrerin alle Teilnehmer auf einer Liste abhake, hieß es weiter in dem Urteil. Jeder Teilnehmer sei für sich verantwortlich gewesen, zumal auch allen freigestellt war, wo sie sich am Flughafen aufhalten wollten. Die zuständige Amtsrichterin wies die Gegenforderung ab, die der Mann im Prozess erhoben hatte: Er hatte wegen der Panne eine Minderung des Reisepreises um rund 1000 Euro gefordert. Der Mann sei selbst schuld an dem Malheur, so das Gericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

Az.: 183 C 15864/07

Topics
Schlagworte
Recht (11725)
Reise (2100)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »