Ärzte Zeitung online, 25.06.2009

Praxisgebühr: Zehn Euro für den Arztbesuch

HAMBURG (dpa). Die Praxisgebühr ist wie die Zuzahlung bei Arzneimitteln oder Krankenhausaufenthalten eine Eigenbeteiligung der Versicherten an den Gesundheitskosten. Zehn Euro in bar werden seit Anfang 2004 für gesetzlich Versicherte in jedem Quartal beim ersten Gang zum Arzt fällig. Beim Zahnarzt und Psychotherapeuten müssen separate Praxisgebühren bezahlt werden.

Für Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt oder Kontrollbesuche beim Zahnarzt wird das Geld nicht kassiert. Wird nicht bezahlt, kann der Arzt die Behandlung verweigern - außer bei einem Notfall.

Der Hausarzt kann den Versicherten an Fachärzte zuzahlungsfrei überweisen. Auch jeder Facharzt kann grundsätzlich zur Weiterbehandlung an einen anderen Facharzt überweisen. Überweisungen zu Ärzten desselben medizinischen Fachgebiets, zum Beispiel um eine zweite Meinung einzuholen, sind allerdings nur in Ausnahmefällen zulässig.

Im April 2009 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass auch Beamte die zehn Euro zahlen müssen. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind von der Praxisgebühr befreit. Übersteigt die Summe aller Zuzahlungen zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens (bei schwer chronisch Kranken ein Prozent), können sich Patienten von der Gebühr befreien lassen. Krankenkassen können Versicherten mit Bonusprogrammen (zum Beispiel beim Hausarztmodell) eine Ermäßigung bei Praxisgebühren gewähren.

Bei der Einführung der Gebühr hoffte das Gesundheitsministerium auf jährliche Zusatzeinnahmen von 2,6 Milliarden Euro. Die Einkünfte der Krankenkassen aus dieser Gebühr beliefen sich 2005 auf insgesamt 1,62 Milliarden Euro. Seitdem ging die Summe kontinuierlich zurück und betrug im vergangenen Jahr noch 1,52 Milliarden Euro.

Besonders der Verzicht auf Arztbesuche bei Bagatellfällen ließ die Zahlen 2004 um zehn und 2005 um weitere drei Prozent sinken. In den folgenden Jahren stiegen die Zahlen aber wieder an. Wurden 2004 in Deutschland noch durchschnittlich 16,3 Arztkontakte gezählt, ist diese Zahl wieder gestiegen und lag 2008 bei 18.

Kritiker der Gebühr wenden ein, dass wegen der zehn Euro pro Quartal besonders sozial schwache Bürger ihre Gesundheit vernachlässigten. Laut einer Studie haben 40 Prozent der Menschen mit einem geringen Einkommen schon mal einen Arztbesuch wegen der Gebühr aufgeschoben.

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