Ärzte Zeitung online, 12.08.2009

Gericht verbietet Klinik Herausgabe von Eizellen an Witwe

NEUBRANDENBURG/HAMBURG (dpa). Eine 28-jährige Mecklenburgerin, die ein Kind von ihrem gestorbenen Mann austragen will, darf die zu dessen Lebzeiten eingefrorenen Eizellen nicht nutzen. Das Landgericht Neubrandenburg untersagte am Mittwoch dem Klinikum der Stadt die Herausgabe und wies damit die Klage der Frau ab.

Das Paar hatte Eizellen und Sperma im März 2008, kurz vor dem Unfalltod des Mannes, im sogenannten Vorkernstadium einfrieren lassen. Nach Ansicht der Richter ist damit die Befruchtung noch nicht vollzogen. Wenn die Klinik die Nutzung der Zellen ermögliche, mache sie sich laut Embryonenschutzgesetz strafbar, sagte Richter Michael Kücken.

Ein Kind von einem Toten - Fälle aus dem Ausland

Streit um das Sperma eines Toten hat schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Im Ausland gab es einige Fälle, in denen Witwen dank künstlicher Befruchtung von ihren gestorbenen Ehemännern ein Kind bekamen. Eine Auswahl:

  • 2001 bekam eine Japanerin mit dem zuvor tiefgefrorenen Samen ihres gestorbenen Mannes ein Baby. Nach japanischen Medienangaben war der Vater zum Zeitpunkt der Geburt knapp zwei Jahre tot. Der Mann hatte sein Sperma in einer Privatklinik einfrieren lassen, weil er befürchtete, dass eine Krebstherapie seine Fruchtbarkeit senke.
  • Nach langem rechtlichen Kampf wurde einer damals 31 Jahre alten britischen Witwe 1997 erlaubt, die tiefgefrorenen Spermien ihres toten Ehemanns nach Belgien zu exportieren. Die Richter des Berufungsgerichts stellten jedoch fest, dass die Spermien ohne schriftliche Genehmigung des Mannes erst gar nicht hätten eingefroren werden dürfen. Der Mann war 1995 an Hirnhautentzündung gestorben. Nach künstlicher Befruchtung kam das erste Kind 1998 zur Welt, 2002 das zweite.
  • Das Schicksal einer damals vier Jahre alten US-Amerikanerin, die nach dem Tod ihres Vaters gezeugt wurde, sorgte 1995 für Schlagzeilen. Die Sozialbehörde verweigerte ihr zunächst eine Waisenrente, schließlich wurde ihr aber finanzielle Unterstützung zugestanden. Ihr Vater hatte vor seinem Krebstod im Jahr 1990 eine Spermaspende in einer Samenbank deponieren lassen. Damit ließ sich seine Frau später künstlich befruchten.
  • Das Bezirksgericht von Tel Aviv entschied 1999, dass sich eine 22- jährige Israelin mit dem Samen ihres gestorbenen Ehemannes befruchten lassen darf. Das Paar hatte ein knappes Jahr zuvor geheiratet, ihr Mann kam jedoch zwei Wochen später bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Nach seinem Tod ließ die Frau Sperma des 25-Jährigen entnehmen.
  • Nach dem Herztod ihres Ehemanns während der Flitterwochen im Jahr 1999 ließ eine Spanierin dem Toten in Buenos Aires eine Samenprobe entnehmen. Nach Medienberichten setzte sich die 30-Jährige wenige Stunden nach dem Tod ihres Mannes mit dem spanischen Konsulat und einem argentinischen Richter in Verbindung, der die außergewöhnliche Operation genehmigte.

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