Ärzte Zeitung online, 30.10.2009

Vermieter haftet nicht für tödlichen Stromschlag

BIELEFELD (dpa). Der tragische Tod einer jungen Frau durch einen Stromschlag in der Dusche bleibt ungesühnt. Das Landgericht Bielefeld lehnte am Donnerstag die Klage der Eltern gegen den Vermieter auf Schmerzensgeld und Ausgleich der Bestattungskosten ab.

Dem Vermieter sei keine Pflichtverletzung anzulasten, meinte der Richter. Die 21-Jährige hatte im Dezember 2005 einen tödlichen Stromschlag erlitten, weil eine Schraube des Handtuchhalters eine Stromleitung berührte. Die Eltern wollten in dem Zivilprozess 500 Euro Schmerzensgeld sowie 6000 Euro Bestattungskosten erstreiten. Das Strafverfahren gegen den Vermieter war zuvor bereits eingestellt worden.

Das Drama hatte sich drei Tage vor Weihnachten 2005 abgespielt. Die 21-Jährige hatte mit der linken Hand den Handtuchhalter und mit dem linken Fuß den metallischen Duschschlauch berührt. "Der Strom floss mit 230 Volt genau durchs Herz", sagte ein technischer Gutachter. "Sie hatte keine Chance." Schon die Vormieterin der Frau hatte bemerkt, dass mit der Elektrik etwas nicht stimmte. "Meine Frau hat mehrfach ordentlich einen gewischt bekommen", gab ihr Mann zu Protokoll. Die Mieter hatten den Vermieter aber nicht informiert.

Strafrechtliche Ermittlungen wegen dieses Versäumnisses waren später im Sande verlaufen. Der Vormieter beteuerte, er habe die Leitung nicht angebohrt. Auch der Eigentümer des Hauses aus dem Jahr 1909 wies die Verantwortung zurück. Das Bad war zuletzt 1965 renoviert worden.

   Dem Gutachter zufolge war die Elektrik damals völlig veraltet. Der Sicherungsschalter sollte bei 500 Milliampere den Stromfluss innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde unterbrechen. Er reagierte aber erst bei 1000 Milliampere. Als nach dem Tod der Frau ein moderner Sicherungsschalter mit 30 Milliampere eingebaut wurde, reagierte dieser im Test erst nach einer Minute. Ursache seien möglicherweise andere Fehler in der Elektroinstallation.

Der Vermieter habe seine Pflicht, für eine sichere Installation zu sorgen, aber nicht verletzt, sagte Richter Marc Hunke. Er hatte keine Hinweise auf Probleme. Zudem gebe es keine gesetzliche Pflicht, Elektroanlagen regelmäßig zu prüfen. Selbst bei einem Elektro-Check wäre die tödliche Gefahr, die vom Handtuchhalter ausging, nach Einschätzung des Gutachters nicht entdeckt worden.

Az.: 6 0 262/09

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