Ärzte Zeitung online, 21.12.2009

Kartellamt verhängt Geldbußen gegen Kaffeeröster

BONN (dpa). Das Bundeskartellamt hat wegen unerlaubter Preisabsprachen Geldbußen von knapp 160 Millionen Euro gegen drei Kaffeeröster verhängt. Das Bußgeld richtet sich gegen Tchibo (Hamburg), Melitta Kaffee (Bremen) und Alois Dallmayr (München) sowie sechs verantwortliche Mitarbeiter. Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig.

Seit mindestens Anfang 2000 bis zu einer Durchsuchung der Unternehmen im Juli 2008 seien mehrfach Preiserhöhungen abgesprochen worden - zulasten der Endverbraucher. Dadurch kletterten die Preise wichtiger Produkte wie Filterkaffee, Espresso, Kaffeepads und Kaffeebohnen teilweise drastisch.

Nach Erkenntnissen des Kartellamtes agierte über viele Jahre hinweg ein "Gesprächskreis" aus Geschäftsführern und Vertriebsleitern der Kaffeeröster. Die Betroffenen sprachen "Zeitraum, Höhe, Umfang, Zeitpunkt der Bekanntgabe sowie das Inkrafttreten beabsichtigter Preiserhöhungen miteinander ab", betonte das Bonner Amt. Diese Verfahren hätten zu fünf Preiserhöhungen zwischen 2003 und 2008 geführt, die mit einer Ausnahme - im März/April 2008 - auch alle im Markt durchgesetzt wurden.

Der Lebensmittel-Einzelhandel habe die Preiserhöhungen in der Regel unmittelbar an die Endkunden weitergegeben: Allein die Preisanhebungen, die Ende 2004 und im April 2005 angekündigt worden waren, verteuerten den Röstkaffee um durchschnittlich mehr als einen Euro pro 500-Gramm-Packung.

"Die Geldbußen sind noch nicht rechtskräftig", erklärte das Bundeskartellamt. Die Unternehmen und betroffenen Manager können noch Einspruch einlegen. Dann müsse das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden.

Die Bonner Behörde hat auch weitere Unternehmen der Branche im Visier: Anfang 2009 seien Verfahren gegen zahlreiche Kaffeeröster wegen des Verdachts auf Preisabsprachen bei Kaffee für den Außer- Haus-Bereich sowie gegen Cappuccino-Hersteller eingeleitet worden. Diese Untersuchungen sollten in der ersten Hälfte 2010 abgeschlossen werden. Nähere Angaben könnten bis dahin nicht gemacht werden.

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