Ärzte Zeitung online, 29.12.2009

Feuerwehrgebühren nach Verkehrsunfällen nicht immer zulässig

KIEL (maw). Für Feuerwehreinsätze nach Verkehrsunfällen darf der Unfallverursacher nicht immer automatisch mit den Gebühren für die Einsatzkosten belastet werden. Darauf weist der Berliner Fachanwalt für Verkehrsrecht S. Patrick Rümmler und Landesregionalleiter "Berlin" des VdVKA (Verband deutscher VerkehrsrechtsAnwälte) mit Blick auf zwei Urteile des Verwaltungsgerichts (VG) Berlin hin.

zur Großdarstellung klicken

Nicht immer muss der Unfallverursacher die Kosten des Feuerwehreinsatzes bezahlen.

Foto: fuxart©www.fotolia.de

Im ersten Fall war im März 2007 ein Personenwagen in Berlin-Weißensee auf das Gleisbett der Straßenbahn geraten. Die mit zwei Einsatzfahrzeugen anrückende Feuerwehr zog das Fahrzeug aus dem Gleisbett. Die Fahrzeuge waren den Angaben zufolge einschließlich An- und Abfahrt 27 Minuten im Einsatz. Hierfür forderte die Feuerwehr vom Fahrzeughalter eine Gebühr von 736 Euro.

Im zweiten Fall war es im September 2006 in Berlin-Oberschöneweide zu einem Crash zwischen einem Auto und einem Motorrad gekommen. Die Besatzung des am Unfallort eingetroffenen Löschhilfefahrzeugs schob das noch fahrbereite Auto an den Straßenrand. Der Einsatz dauerte etwa 35 Minuten, die dem Pkw-Halter mit 365 Euro in Rechnung gestellt wurden.

Grundlage der Gebührenforderungen sei laut Rümmler die Feuerwehrbenutzungsgebührenordnung. Nach dieser würden für Gefahrenabwehreinsätze der Feuerwehr im Nachgang zu Verkehrsunfällen bei einer Einsatzdauer bis zu einer Stunde 365 Euro (bei Einsatz von einem Fahrzeug) beziehungsweise 736 Euro (bei Einsatz von 2 Fahrzeugen) fällig.

In beiden Fällen hob die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts die Gebührenbescheide nun auf, betont Rümmler.

Im ersten Fall sahen die Richter nach Angaben des Verkehrsrechtsexperten in der Regelung der Gebührenordnung, wonach bei der Berechnung der Einsatzdauer die Zeit der An- und Abfahrt "angemessen zu berücksichtigen" sei, einen Verstoß gegen das abgabenrechtliche Bestimmtheitsgebot.

Gebührentatbestände müssten so bestimmt sein, dass der Zahlungspflichtige die von ihm geschuldeten Gebühren im Voraus berechnen könne. Dies sei hier wegen des gegebenen Wertungsspielraums nicht der Fall. Unabhängig davon sei der Bescheid auch wegen eines Verstoßes gegen das Kostenüberschreitungsverbot rechtswidrig. Die Feuerwehr erhebe auch dann Gebühren für eine Einsatzdauer bis zu einer Stunde, wenn der Einsatz einschließlich An- und Abfahrt nur bis zu einer halben Stunde gedauert habe. Dadurch werde der in der Gebührenkalkulation der Feuerwehr in Halbstundenschritten kalkulierte Gebührensatz (176,77 Euro) für solche kurzen Einsätze in unzulässiger Weise verdoppelt.

Im zweiten Fall kam das Gericht zu dem Schluss, der Einsatz eines Löschhilfefahrzeugs, das in Haltung und Betrieb hohe Kosten verursache, sei bei einem Bagatellunfall überdimensioniert. Die dadurch verursachten Kosten könnten deshalb dem Gebührenpflichtigen nicht in vollem Umfang auferlegt werden.

Die Kammer hat wegen grundsätzlicher Bedeutung jeweils die Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.

Az.: VG 1 A 244.08 und VG 1 A 272.08

Topics
Schlagworte
Recht (11957)
Panorama (30510)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »