Ärzte Zeitung online, 04.01.2010

Krankentransporter im Einsatz genießen auf der Autobahn freie Fahrt

KIEL (maw). Wer auf der Autobahn plötzlich nach links ausschert und dabei mit einem sich von hinten nähernden Krankentransporter kollidiert, der mit Martinshorn und Blaulicht unterwegs ist, hat den hierdurch entstehenden Schaden allein zu tragen. Darauf verweist der Erlanger Fachanwalt für Verkehrsrecht Marcus Fischer, Vizepräsident des Verbands deutscher VerkehrsrechtsAnwälte (VdVKA) mit Blick auf ein Urteil des Landgerichts Coburg (LG).

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Foto: Thaut Images ©www.fotolia.de

Im konkreten Fall war die Klägerin laut Fischer in einer Autobahnbaustelle unterwegs. Ein vor ihr fahrendes Fahrzeug verlangsamte die Geschwindigkeit deutlich. Als die Klägerin nach links ausscherte, um zu überholen, stieß sie mit dem von hinten kommenden Krankenwagen zusammen, mit dem gerade ein Patient in eine Klinik gebracht werden sollte.

Da der Krankenwagen zum Unfallzeitpunkt mit Martinshorn und Blaulicht unterwegs gewesen war, komme ihm nach Ansicht der Richter als sogenanntes Wegerechtsfahrzeug ein Anspruch auf "freie Bahn" zu. Der Fahrer des Fahrzeugs vor der Klägerin hatte die Sonderzeichen auch bemerkt und deshalb abgebremst, anders als die Klägerin, wie die Richter betonten. Sie hatte vor dem Ausscheren nicht in den Rückspiegel gesehen und außerdem auch den Blinker nicht betätigt, sodass der Krankenwagenlenker den Unfall auch nicht verhindern konnte.

Die Klägerin hatte daher ihren Schaden von rund 3000 Euro selbst zu tragen, während ihre Haftpflichtversicherung für den Schaden am Krankenwagen von rund 10 000 Euro aufzukommen hatte.

Fischer empfiehlt daher, sich bei jedem Spurwechsel auf der Autobahn durch einen Blick in den Rück- und in den Seitenspiegel auch zu vergewissern, dass sich von hinten kein schneller fahrendes Fahrzeug nähert, da ansonsten in der Regel die Schuld allein bei dem Ausscherenden liege, sofern der Bevorrechtigte nicht mit einer höheren Geschwindigkeit als mit der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gefahren ist.

Az.: 11 O 590/08

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