Ärzte Zeitung online, 15.01.2010

Elektroroller im Büro geladen: Kündigung nicht rechtens

SIEGEN (dpa). Ein langjähriger Angestellter darf nicht ohne Vorwarnung entlassen werden, weil er für 1,8 Cent Strom aus der Steckdose am Arbeitsplatz gezapft hat. Das hat das Arbeitsgericht Siegen am Donnerstag in einer Kündigungsschutzklage entschieden.

Der 40-Jährige hatte im vergangenen Mai seinen Elektroroller am Arbeitsplatz aufgeladen. Die Firma aus Neunkirchen hatte dem Mann wegen des Vorfalls fristlos gekündigt. Das Gericht erklärte die Kündigung für unwirksam. Grundsätzlich sei ein "Bedienen" an den Vermögenswerten des Arbeitgebers auch bei geringem Wert zwar ein Kündigungsgrund, in diesem Fall gab das Gericht aber dem Angestellten Recht.

Der Mann war vor dem Vorfall 19 Jahre lang bei dem Hersteller von Regalsystemen beschäftigt, ohne dass es Probleme gab. Im Mai vergangenen Jahres war er mit einem "Selbstbalance-Roller" zur Arbeit gekommen und hatte das Gefährt in der Firma für 90 Minuten aufgeladen.

Das Gericht gab dem Angestellten aber nicht Recht. Vielmehr sei die Kündigung deshalb ungerechtfertigt gewesen, weil es in der Vergangenheit weder Ermahnungen noch Abmahnungen gegeben hatte. "Der Mann hat sein ganzes Arbeitsleben bei der Firma verbracht", sagte Perschke. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

AZ: 1CA 1070/09

Topics
Schlagworte
Recht (11957)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »