Ärzte Zeitung online, 02.02.2010

Gericht sieht Flirt-SMS-Abzocke als Betrug

FLENSBURG/KIEL (dpa). Professionelle Flirt-SMS-Chats sind Betrug - daran hat das Flensburger Amtsgericht keinen Zweifel gelassen. Es verurteilte die Mitarbeiterin eines Call-Centers wegen Beihilfe zum Bandenbetrug zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Das Urteil ist seit Montag rechtskräftig. Die 36-Jährige hatte jahrelang für ein Call-Center im Flirt-SMS-Chat gearbeitet, zuletzt als Teamleiterin. Sie kannte das Geschäftsmodell und "wusste, dass es letztlich darum ging, gutgläubige Kunden" durch Täuschung "zum SMS-Versand zu veranlassen". Das Urteil hält fest, dass über 700 000 Handynutzer um rund 46 Millionen Euro geschädigt wurden.

Ob das Kieler Landgericht, wo den Chefs der 36-Jährigen der Prozess gemacht wird, das aber genauso sieht, ist noch offen: Dort müssen sich seit September drei Hauptangeklagte als Betreiber von Call-Centern wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs verantworten. Für den Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick ist die Flensburger Entscheidung aber "das erste Urteil, das die eigene Rechtsauffassung bestätigt". Was das Flensburger Gericht aufgrund des Geständnisses der 36-Jährigen für erwiesen hielt, muss den in Kiel Angeklagten aber erst noch nachgewiesen werden.

Dass die 36-Jährige relativ glimpflich davon kam, verdankt sie nach Angaben des Flensburger Gerichtssprechers Sönke Bahnsen vor allem ihrem umfangreichen Geständnis. Sie hatte das Urteil akzeptiert, so dass die Entscheidung rechtskräftig wurde. Den Kieler Hauptangeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahren Haft. Das Kieler Verfahren wird am Dienstag fortgesetzt.

Topics
Schlagworte
Recht (11954)
Panorama (30506)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »

Wer nicht hören will, den soll die Kita künftig melden

Prävention mit Drohgebärden: Künftig will das Bundesgesundheitsministerium nicht nur mit Bußgeld drohen, sondern auch die Kitas einspannen, um die Verweigerer einer verpflichtenden Impfberatung herauszufischen. mehr »