Ärzte Zeitung online, 12.03.2010
Star-Chirurg Broelsch zu drei Jahren Haft verurteilt
ESSEN (dpa). Im Prozess um einen der größten Medizinskandale Nordrhein-Westfalens hat das Essener Landgericht am Freitag den Chirurgen Professor Christoph Broelsch (65) zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Ansicht der Richter hat sich der frühere Chefarzt des Essener Universitätsklinikums der Steuerhinterziehung, Bestechlichkeit, Nötigung und des Betruges schuldig gemacht.

Professor Christoph Broelsch am Freitag im Landgericht Essen. © dpa - Bildfunk
Zwischen 2002 und 2007 habe der Transplantationsmediziner Broelsch unter anderem von 30 todkranken Krebspatienten die Zahlung "freiwilliger Spenden" an die Uniklinik gefordert. Nur dann hätten die Patienten damit rechnen können, frühzeitig und vor allem durch ihn persönlich behandelt zu werden. Broelsch war auch Leibarzt des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau.
In der Urteilsbegründung bezeichneten die Richter das Verhalten des Angeklagten als stellenweise "absolut unerträglich". Sie führten aus, die meisten Patienten seien über das Ansinnen des Chefarztes zwar auch "schockiert" gewesen. Trotzdem hätten sie in der Hoffnung auf Genesung die Zahlungen in Höhe von bis zu 10 000 Euro geleistet.
Einem Patienten soll der Professor dabei klar gemacht haben: "Ich brauche die Knete aber vor der Operation." In einem anderen Fall soll sich Broelsch bereit erklärt haben, die Spende von 10 000 Euro in zwei Raten zu teilen. Dabei soll er gesagt haben, die zweiten 5000 Euro würden aber auch dann fällig, "wenn der Patient auf dem Tisch bleibt".
Mit dem Urteil blieb das Gericht ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte lediglich eine Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung für angemessen gehalten.
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| [12.03.2010, 18:45:14] |
| Dieter Döring
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Dieser Prozeß ist ein Abbild unseres verlogenen und unterbezahlten Gesundheitssystem.
Unerträglich finde ich es, wie ein paar Juristen das Lebenswerk dieses Arztes zerstören.
Aber auch unerträglich finde ich es, dass sich das Klinikum und die Ärzteschaft nicht hinter Herrn Prof. Broelsch stellt.
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