Ärzte Zeitung online, 09.05.2010

Zwei Tote nach illegaler Psychotherapie mit Drogen: Urteil gegen Arzt erwartet

BERLIN (dpa). Eine Gruppentherapie mit illegalen Drogen brachte im September zwei Männern in Berlin den Tod. Ein Frührentner starb in der Arztpraxis an einer Überdosis Ecstasy, ein Student wenig später in einem Krankenhaus. Ein weiterer Patient überlebte die Behandlung nur knapp. An diesem Montag will das Berliner Landgericht nun das Urteil im Prozess gegen den 51 Jahre alten Arzt sprechen.

Der Psychotherapeut muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Die Staatsanwaltschaft beantragte acht Jahre Freiheitsentzug und ein lebenslanges Berufsverbot wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Ursprünglich war der Mediziner auch wegen versuchten Mordes angeklagt. Dieser Vorwurf wurde im Prozess fallen gelassen.

   Ankläger Matthias Weidling hatte in seinem Plädoyer gesagt, der Mediziner sei ein Verbrecher und Scharlatan. Er habe seine Patienten als Versuchskaninchen missbraucht. Die psycholytische Psychotherapie, bei der bewusstseinsverändernde Substanzen verabreicht werden, sei nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Die Patienten seien dem Mann schutzlos ausgeliefert gewesen. Der Mediziner habe ein Spiel mit dem Tod betrieben, sagte der Staatsanwalt.

   Zu Prozessbeginn im März hatte der blasse Arzt mit dem schütteren Haar beteuert, es sei ein tragisches Unglück gewesen. Er habe sich offenbar beim Abwiegen von Ecstasy vertan, begründete der Familienvater die Überdosis der Droge. Er sprach von großer Trauer und Schuld. "Ich musste auf schreckliche Weise erfahren, dass ich den Umgang mit illegalen Substanzen falsch eingeschätzt habe", bekannte der 51-Jährige. Er hatte selbst die künstliche Droge LSD genommen.

   Die Verteidigung hatte eine Haftstrafe von höchstens drei Jahren wegen fahrlässiger Körperverletzung beantragt. Der Arzt habe helfen und niemandem schaden wollen, sagte Anwalt Marcel Kelz. Die Drogen, die der Arzt selbst genommen hatte, könnten ihm einen bitteren Streich gespielt haben. Trotz der schockierenden Erlebnisse nahmen mehrere der Überlebenden den Angeklagten in Schutz.

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