Ärzte Zeitung online, 10.06.2010

Entschädigung für Stalking-Opfer gefordert

ERFURT (dpa). Der Weiße Ring hat bessere Entschädigungsmöglichkeiten für Stalking-Opfer gefordert. Bisher könnten Betroffene nur dann staatliche Entschädigung erhalten, wenn sie Opfer körperlicher Attacken geworden seien, sagte der Vorsitzende des Vereins Reinhard Böttcher der Nachrichtenagentur dpa.

Angesichts der möglichen schweren Folgen dieser aggressiven Nachstellungen auch ohne körperliche Angriffe werbe die Organisation für andere Kriterien. "Die Rechtsprechung kann das nicht leisten, da muss der Gesetzgeber sich durchringen."

Dass Stalking seit drei Jahren als Straftat gelte, habe sich sehr positiv ausgewirkt - auch wenn die Zahl der Verurteilungen vergleichsweise gering sei. "Es gibt aber eine Anzahl von Tätern, die sich allein schon durch Ansprache und Verwarnung durch die Polizei beeindrucken lassen", sagte er. Außerdem würden Opfer jetzt mit ihren Schilderungen ernster genommen. Früher sei ihnen oft nicht geglaubt worden.

Nach Ansicht Böttchers liegen aber bei Strafverfahren die Maßstäbe für eine Verurteilung zu hoch. Nötig sei eine "schwerwiegende Beeinträchtigung". Darunter falle aber nicht, wenn Betroffene neue Telefonnummern und Mail-Adressen bräuchten oder einen anderen Weg zur Arbeit nehmen müssten, um sich vor Nachstellungen zu schützen. Er hoffe auf eine "opferfreundliche" Rechtsprechung höherer Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof, auch wenn die Signale aus Sicht des Weißen Rings bisher "eher beunruhigend" seien. Ansonsten wolle sich der Verein auch in diesem Punkt für eine Gesetzesänderung einsetzen.

Im thüringischen Gotha wollen Experten am Donnerstag bei einer Tagung Erfahrungen mit dem neuen Straftatbestand zusammenfassen.

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