Ärzte Zeitung online, 19.08.2010

Stoß vor S-Bahn - Haft und Psychiatrie für Obdachlose

HAMBURG (dpa). Sie hatte einen Mann im Hamburger Hauptbahnhof vor eine S-Bahn gestoßen - dafür hat das Landgericht eine Obdachlose zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Zugleich wurde am Mittwoch angeordnet, dass die 45-Jährige in einer Psychiatrie untergebracht wird.

Der 44 Jahre alte Mann hatte sich bei dem Vorfall Anfang Februar im letzten Moment zwischen Bahnsteigwand und Schienen rollen können. Der Lokführer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, der Mann wurde von der Bahn erfasst, jedoch nicht überrollt. Er überlebte schwer verletzt und erlitt eine Platzwunde am Kopf, mehrere Rippenbrüche sowie Schürfwunden und Prellungen.

Nach Sichtung der Bilder aus der Videoüberwachung kam die Kammer zu dem Schluss, dass die Angeklagte zunächst einen Streit zwischen dem späteren Opfer und einer Gruppe Schüler schlichten wollte. Als der 44-Jährige sich dennoch nicht von ihr weiter ziehen ließ, wurde sie wütend und schubste ihn auf das Gleisbett. "So machten Sie ihrer Unzufriedenheit Luft", sagte der Richter.

Die Tötungsabsicht konnte ihr aber nicht nachgewiesen werden. Nach Ansicht der Kammer hatte sie die S-Bahn nicht bemerken können, da sie mit dem Rücken zu der einfahrenden Bahn stand. Der Sachverständige stellte eine psychische Störung der 45-Jährigen fest.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »