Ärzte Zeitung online, 20.08.2010

Bundesweiter Betrug mit fingierten Kontaktanzeigen

HILDESHEIM (dpa). Sie waren auf der Suche nach dem Partner fürs Leben und wurden gnadenlos abgezockt. Die Einsamkeit Alleinstehender sollen drei Männer aus Hannover für ihr illegales Geschäft ausgenutzt haben.

Das Trio muss sich seit Freitag vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Die Anklage wirft den 34- bis 40-Jährigen vor, insgesamt 67 Geschädigte aus ganz Deutschland um mehr als 92 000 Euro betrogen zu haben. Mit Hilfe fingierter privater Kontaktanzeigen sollen sie Männer animiert haben, teure Sondernummern anzurufen.

Die Angeklagten schalteten laut Staatsanwaltschaft in Tages- und Wochenzeitungen sowie Anzeigenblättern in ganz Deutschland private Kontaktanzeigen. Dabei wurden die Interessenten angehalten, eine Kurznachricht an die Dame zu senden.

Beim anschließenden telefonischen Kontakt spiegelten die Frauen am anderen Ende der Leitungen vor, dass für die Anrufer nur geringe Kosten entstehen würden. "In Wirklichkeit führten die Anrufe zu einer teuren Flirt- oder Dating-Line der Firma der Angeklagten", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Görlich am Freitag bei der Anklageverlesung.

Die Damen animierten ihre Anrufer gar zu sogenannten Konferenzschaltungen, die doppelte und dreifache Kosten nach sich zogen. Die Partnersuchenden zahlten so bis zu 1500 Euro am Tag für die Gespräche. Dabei telefonierten sie mitunter sogar vom Firmenhandy oder vom Anschluss der Eltern. Ein Mann musste für einen dreitägigen telefonischen Kontakt 7139 Euro zahlen.

Nach der Anklageverlesung regte der Vorsitzende Richter der Wirtschaftsstrafkammer ein Rechtsgespräch zwischen der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern an. Das Ergebnis sollte am Nachmittag bekanntgegeben werden.

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