Ärzte Zeitung online, 01.10.2010

Patient nach Hyperglykämie gestorben: Ärztin verurteilt

KREFELD (eb). Wegen fahrlässiger Tötung ist am Donnerstag eine 32-jährige Assistenzärztin in Krefeld zu einer Geldstrafe von 7500 Euro verurteilt worden. Sie soll den erhöhten Blutzucker eines Notfallpatienten nicht richtig erkannt und falsch therapiert haben. Der Patient verstarb kurz darauf.

Patient nach Hyperglykämie gestorben: Ärztin verurteilt

Bei der Verurteilung der Ärztin wurden dem Krankenhaus schwere organisatorische Mängel vorgeworfen.

© Digitalstock

Ein zweiter angeklagter Assistenzarzt wurde freigesprochen, berichten Lokalmedien übereinstimmend.

Der 47-jährige Diabetiker sei in der Nacht zum 1. November 2008 mit einem extrem erhöhten Blutzuckerwert in das Krefelder Maria-Hilf-Krankenhaus eingeliefert worden, berichtet die "Westdeutsche Zeitung". Kurze Zeit später sei er in ein hyperglykämisches Koma gefallen. Als Todesursache seien später ein Hirn- und Lungenödem sowie ein "zentrales Regulationsversagen" festgestellt worden.

Kurz nach der Aufnahme soll die Assistenzärztin den Patienten mit Insulin behandelt haben. Trotz dieser Therapie soll sich der Blutzuckerspiegel nicht normalisiert haben. Der Ärztin wurde vorgeworfen, daraufhin nicht ausreichend gehandelt zu haben. Bei der Blutzuckermessung soll sie sich auf einen ungenauen Schnelltest verlassen und auf eine Laboranalyse verzichtet haben.

Dem Bericht zufolge werden aber auch gegen die Klinik schwere Vorwürfe erhoben. So sei die Ärztin gemeinsam mit ihrem Kollegen für über 100 Patienten, die Intensivstation und die Nofallambulanz während der Nacht zuständig gewesen. Deshalb habe sie nur rund alle zwei Stunden nach dem Mann sehen können.

Ein Gutachter soll dem Krankenhaus schweres Organisationsverschulden vorgeworfen haben. Der diensthabende Oberarzt sei in der Nacht nicht mehr zu erreichen gewesen.

[08.10.2010, 11:52:40]
Dr. Joachim Malinowski 
Und am Ende trifft es wieder mal die Kleinen...
Dass es nachts in einer Klinik richtig rund gehen kann, ist nichts Neues. Auch die permanente Unterbesetzung ist eine altbekannte Tatsache. Dass nun aber der Vordergrund (Assistenzärzte) verurteilt wird, weil die aufkommende Arbeit nicht mehr zu schaffen ist, halte ich für (gelinde gesagt) besorgniserregend. Wird denn auch der oberärztliche Hintergrund bestraft, weil er nicht erreichbar war?

Bei der permanenten Unterbesetzung müssen doch irgendwann Fehler an der Basis passieren, sind sozusagen vorprogrammiert. Im Gegenteil muss man sich wundern, dass nicht schon sehr viel mehr Fehler geschehen sind.
Wann wird da endlich Abhilfe geschaffen?
Muss erst eine evtl. prominente Persönlichkeit Schaden erleiden?
Ich halte die Personalpolitik dieses Krankenhauses für unverantwortlich, wobei dieses sicher kein Einzelfall ist.
MfG, Dr. Malinowski

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