Ärzte Zeitung online, 05.10.2010

Falsche Atteste ausgestellt: U-Haft für Psychotherapeuten

HANNOVER (cben). Der Psychotherapeut Hans-Joachim R. aus Hannover hat für einen Klienten falsche Atteste ausgestellt, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft Hannover. Mit Haftbefehl vom 3. September wurde der Arzt festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht.

"Wir haben eine Hausdurchsuchung vorgenommen und befragen derzeit Zeugen", erklärte Manfred Knothe, Oberstaatsanwalt in Hannover der "Ärzte Zeitung". Offenbar über mehrere Jahre hinweg soll R., Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Hannover, falsche Atteste ausgestellt haben. "Er hat zwar wahrscheinlich nicht selber kassiert", sagte Knothe, "aber unrechtmäßig zu Lasten der Krankenkasse agiert." Der 61-jährige R. habe einem Steuerberater, der inzwischen ebenfalls in U-Haft sitzt, von März 2004 bis Januar 2007 "durchgängig Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen Depressionen ausgestellt", erklärte Knothe, "der Mann war zu 100 Prozent berufsunfähig geschrieben." Gleichzeitig arbeitete aber der Steuerberater in der Anwaltskanzlei seiner Frau in Sachsen-Anhalt, meint die Staatsanwaltschaft. Die Juristin ist die dritte Beschuldigte.

Der Schaden geht in die Hunderttausende. Der Steuerberater forderte von seiner Krankenversicherung 450 000 Euro an Krankentagegeld sowie Berufsunfähigkeitsrente. Die Kasse habe ihm aber nur 189 000 Euro zahlen wollen. Darauf zog der Patient vor den Kadi. "Im Zuge eines Vergleiches wurden ihm 155 000 Euro zugesprochen", sagte Knothe. Neben diesem sieht sich R. mit weiteren Vorwürfen konfrontiert. Einem Paar aus Hannover soll der Therapeut zu Unrecht eine Berufsunfähigkeit attestiert haben. Schaden: 360 000 Euro.

Außerdem hat die Staatsanwaltschaft R. wegen Abrechnungsbetrugs angezeigt. "Derzeit ist gegen den Arzt auch ein Verfahren beim Amtsgericht Hannover anhängig", so Knothe. R. betreibt in Hannover Oststadt ein Gesundheitszentrum für Psychotherapie, Naturheilverfahren und suchtmedizinische Grundversorgung.

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