Ärzte Zeitung online, 14.10.2010

Razzia gegen illegale Arzneien in 40 Ländern

WIESBADEN (dpa/eb). Gegen den florierenden Handel mit gefälschten und nicht zugelassenen Arzneimitteln im Internet sind Ermittler in einer weltweit angelegten Aktion vorgegangen. Das Bundeskriminalamt (BKA) berichtete am Donnerstag in Wiesbaden von Durchsuchungen in 45 Ländern, darunter auch Deutschland.

Razzia gegen illegale Arzneien in 40 Ländern

Gefälsche Arzneimittel: sichergestellt vom britischen Zoll.

© Interpol (2)

Etwa 100 Internetseiten hätten die Ermittler identifiziert, auf denen mutmaßlich deutsche Anbieter illegale Arzneimittel verkauften. In anderen Ländern habe es Festnahmen gegeben. Das BKA warnte die Verbraucher vor Gesundheitsgefahren.

Insgesamt seien rund 11 000 potenziell schädliche Arzneimittel sichergestellt worden, mehr als 250 000 Packungen seien inspiziert worden, teilte die britische Arzneimittelbehörde in London MHRA mit.

Bei der "Operation Pangea III" wurde sei Anfang Oktober bis vergangenen Dienstag eine Woche lang der deutsche Post- und Kurierdienstverkehr kontrolliert, um illegale Arzneimittel aufzuspüren. 532 Pakete mit rund 30 000 Tabletten wurden vom Zoll sichergestellt.

Darin haben sich unter anderem Potenzmittel, Dopingsubstanzen, überdosierte Vitaminpräparate, Antidepressiva, Schmerzmittel, Antiallergika und Anorektika befunden. Dazu zählen nach Angaben des BKA auch Präparate mit dem Wirkstoff Sibutramin. Das Antiadipositum ist seit Anfang des Jahres nicht mehr verkehrsfähig in der Europäischen Union.

Razzia gegen illegale Arzneien in 40 Ländern

Auf Arzneifälschungen untersucht: ein verdächtiges Paket beim Zoll am Frankfurter Flughafen.

Gegen wie viele Website-Betreiber Ermittlungen geführt werden sollen, wollte das BKA am Donnerstag nicht mitteilen. Die Betreiber stünden im Verdacht, in Deutschland nicht zugelassene sowie gesundheitlich bedenkliche Arzneimittel vertrieben zu haben. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Die Behörden warnten, die Risiken illegaler Arzneien zu unterschätzen. Die Medikamente enthielten zum Teil andere Wirkstoffe oder andere Wirkstoffstärken als angegeben. Möglich seien zudem auch nicht zugelassene Inhaltsstoffe mit potenziell lebensbedrohlichen Nebenwirkungen.

Im Internet gebe es unzählige professionell aufgemachte Seiten, die die Unterscheidung zwischen seriösen und unseriösen Anbietern erschwere. Verbraucher sollten sich deshalb sorgfältig über die Seriosität des Anbieters informieren. Im Internet gibt das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit in Nordrhein-Westfalen (LIGA NRW) Informationen dazu.

BKA-Präsident Jörg Ziercke erklärte, mit derartigen Aktionen müssten Ermittlungen nicht an den nationalen Grenzen enden, sondern könnten "in enger internationaler Zusammenarbeit der Strafverfolgungs- und Arzneimittelüberwachungsbehörden wirksam geführt werden".

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