Ärzte Zeitung online, 02.11.2010

Affenbiss: Zoo muss Krankenkasse die Kosten nicht erstatten

MAGDEBURG (dpa). Die Stadt Aschersleben in Sachsen-Anhalt muss die Kosten für die Behandlung einer Frau, die im städtischen Zoo von einem kleinen Affen gebissen wurde, nicht übernehmen.

Das entschied am Dienstag das Landgericht Magdeburg und wies damit eine Forderung der Krankenkasse der 65-Jährigen zurück. Besucher müssten selbst haften, wenn Hinweisschilder vor den Gefahren warnen, urteilte Richter Christian Hoppe. Die Frau trage somit eine 100-prozentige Mitschuld an dem Vorfall.

Die 65-Jährige war im Mai vergangenen Jahres in einem Freigehege von einem Totenkopfäffchen gebissen worden. Da sich die Wunde am Zeigefinger entzündete, musste die Frau stationär in einer Klinik behandelt werden. Die Kosten dafür hatten 5400 Euro betragen.

"Hätte die Dame die Hinweise auf den Schildern befolgt, wäre es nicht zu dem Vorfall gekommen", sagte Richter Hoppe. Auf den Schildern stehen Hinweise wie "Betreten auf eigene Gefahr" und "Bitte Ruhe! Machen Sie keinen Lärm und keine hastigen Bewegungen!".

Doch daran hatte sich die 65-Jährige nicht gehalten. Als ihr ein Totenkopfäffchen in dem begehbaren Gehege auf den Kopf sprang, riss sie reflexartig die Hände nach oben. Das Tier fühlte sich bedroht und biss der Frau in den linken Zeigefinger. Das Gericht kam zu dem Schluss: Wer sich bewusst in eine gefährliche Lage begibt, kann keinen Schadensersatz verlangen, wenn ein Schaden eintritt.

Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Die Krankenkasse hat die Möglichkeit, innerhalb eines Monats nach Zustellung des schriftlichen Urteils Berufung einzulegen.

Urteil des LG Magdeburg, Az.: M10 O 1082/10

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