Ärzte Zeitung online, 05.11.2010

Missbrauchs-Vorwurf: "Sex-Professor" erneut vor Gericht

Psychiater soll Studentin missbraucht haben / "Man will nur meinen Ruf zerstören"

COBURG (dda). Mit einem "Dauerangeklagten", einem ehemaligen Professor der Fachhochschule Coburg und Arzt für Psychiatrie, muss sich seit fast zwei Jahren das Landgericht Coburg beschäftigen. Nach zwei Freisprüchen steht er nun erneut vor Gericht.

Missbrauchs-Vorwurf: "Sex-Professor" erneut vor Gericht

Oberlandesgericht in Bamberg: hier muss sich der "Sex-Professor" aus Coburg erneut verantworten.

© dpa

Dem heute 48-Jährigen wurde Anfang 2009 vorgeworfen, mit einer psychisch erkrankten Studentin zwei Jahre lang ein sexuelles Verhältnis unterhalten zu haben. Am Donnerstag wurde der Prozess, der bereits durch mehrere Instanzen ging, nun wieder neu aufgerollt.

Dem Familienvater wird vorgeworfen, ein "Beratungs-, Behandlungs- und Betreuungsverhältnis" zu der erkrankten, damals 21-jährigen Frau, ausgenutzt zu haben. Vom Coburger Schöffengericht wurde er im Frühjahr 2009 deshalb zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und zu 7000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung verurteilt.

Nach einer Berufungsverhandlung Ende Dezember 2009 vor dem Landgericht Coburg wurde der Mediziner allerdings vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen.

Auch in einem weiteren Prozess im Sommer dieses Jahres wurde der Psychiater freigesprochen. Damals ging es um den Vorwurf der besonders schweren Vergewaltigung. Er soll im Juni 2006 die Mitinhaberin seiner Gemeinschaftspraxis bewusstlos gespritzt und sie dann vergewaltigt haben.

Das Oberlandesgericht in Bamberg hob in den vergangenen Monaten das Urteil "Freispruch" hinsichtlich der Studentin auf, weshalb der 48-Jährige nun zum dritten Mal wegen dem Verhältnis zur Studentin vor Gericht steht.

Nur musste er nun dem Vizepräsident des Landgerichts Bernd Buhl in Details von seine außereheliche Beziehung erzählen. Wie schon in den vergangenen Verhandlungen erklärte er auch ihm, dass die Studentin hinter ihm her gewesen sei. Diese habe sich mit der einstigen Strafanzeige aus enttäuschter Liebe an ihn rächen wolle.

Der Richter wertete die Aussagen des Professors am Ende als Prosa: "Ihre Geschichte ist weg von jeglicher Lebensrealität, ich fühle mich wie in einer Märchenstunde". Der Angeklagte beteuerte hingegen: "Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. In Coburg will man die Wahrheit nicht hören, man will nur meinen Ruf zerstören". Nun wird der Prozess fortgesetzt.

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