Ärzte Zeitung, 29.11.2010

Ohne Therapie kein Anspruch auf Magenband-Op

KÖLN (iss). Kassenpatienten mit starkem Übergewicht haben nur Anspruch auf eine operative Magenbandverkleinerung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wenn zuvor eine integrierte Adipositastherapie unter ärztlicher Aufsicht nicht zum Erfolg geführt hat. Das hat das Sozialgericht Dortmund (SG) in einem nicht rechtskräftigen Urteil entschieden.

Ohne Therapie kein Anspruch auf Magenband-Op

Magenband: Kassenleistung erst nach anderen Therapieversuchen.

© Dr. Thorsten Berg

Eine heute 49-jährige Frau hatte 2006 die Kostenübernahme für eine Adipositas-Op beantragt. Sie hatte schon mehrmals durch Diäten an Gewicht verloren, aber nie mit langfristiger Wirkung. Die Frau litt an zunehmender Immobilität, Diabetes Typ 2 und stark schmerzhaften degenerativen Gelenkerkrankungen.

Während mehrere Ärzte das Anliegen der Patientin unterstützten, sah der Medizinische Dienst der Krankenkasse keine Notwendigkeit einer Magenbandverkleinerung. Begründung: Die Frau habe sich bislang keiner sechs- bis zwölfmonatigen integrierten Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie unterzogen.

Die Frau klagte, unterlag aber vor dem SG. "Eine stationäre Behandlung in einem Akutkrankenhaus ist erst dann angezeigt, wenn das Behandlungsziel nicht auf anderem Wege erreicht werden kann", so die Richter.

Die bisherigen Diätversuche hätten gezeigt, dass die Frau in der Lage sei, ihr Gewicht zu reduzieren. "Die Problematik liegt vielmehr in ihrem Ess- und Bewegungsverhalten nach der Gewichtsreduktion."

Nach Einschätzung der Richter besteht sie auch nach dem operativen Eingriff weiter. "Dies spricht dafür, hier vorrangig eine längerfristige Umstellung im Rahmen einer integrierten Therapie zu versuchen."

Az.: S 40 KR 31/07

Lesen Sie dazu auch:
Plädoyer für Adipositas-Chirurgie als Therapieoption

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »