Ärzte Zeitung online, 18.01.2011

Prozess gegen Ärztin: Gericht vermutet Doppelmord

HANNOVER (dpa). Eine Onkologin muss in einem der größten Mediziner-Prozesse in Deutschland mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen zweifachen Mordes rechnen.

Prozess gegen Ärztin: Gericht vermutet Doppelmord

Die Internistin Mechthild Bach am Dienstag im Landgericht in Hannover.

© dpa

Die angeklagte Ärztin steht im Verdacht, in einer Klinik bei Hannover mindestens 13 Patienten mit zu hohen Schmerzmittel-Dosen umgebracht zu haben. Sie selbst betont, die Behandlung sei vor allem zur Schmerzlinderung und Sterbegleitung bestimmt gewesen.

Der Prozess gegen die 61-Jährige im Landgericht Hannover läuft seit über einem Jahr. Am Dienstag zog das Gericht erstmals Zwischenbilanz. Bislang wurden sechs Patientenschicksale verhandelt.

In zwei Fällen deute vieles auf vorsätzliche Taten hin, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. "Es muss geprüft werden, ob das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt ist." In keinem Fall sei von einer natürlichen Todesursache auszugehen.

Die angeklagten Todesfälle geschahen zwischen 2001 und 2003 in der Paracelsus-Klinik in Langenhagen. Dort starben Patienten, nachdem die Internistin ihnen hoch dosierte Mengen Morphin und Diazepam verordnet hatte. Strittig ist vor Gericht unter anderem, ob die Kranken an den Schmerzmitteln starben oder an ihren Ursprungsleiden.

Die angeklagte Ärztin hatte zu Beginn des Prozesses betonte: "In keinem der 13 Fälle habe ich die letzte Lebenszeit meiner Patienten durch Morphium verkürzt." Die Ermittlungen gegen die Frau waren ins Rollen gekommen, nachdem einer Krankenkasse der hohe Schmerzmittel-Verbrauch in der Klinik aufgefallen war.

[20.01.2011, 17:00:06]
Dr. Vartan Ter-Akopow 
Perversion per se
Da bleibt einem die Spucke weg. "Sachverständige" einer kranken Kasse vermuten bei hohem Schmerzmittelverbrauch einer onkologischen Abteilung sofort eine Straftat. (Vergleiche: Saunabetrieb = hoher Energieverbrauch, Mühle = hoher Kornverbrauch, Gebäudereinigung = hoher Detergentienverbrauch etc., beliebig fortzusetzen). Womit soll der Arzt bei infausten Krankheitsverläufen denn schon das Leiden lindern, wenn er keine andere Therapieansätze mehr hat?
Und es wird tatsächlich dieses aufgegriffen und ein krimineller Fall daraus konstruiert werden.
Es wundert aber nicht, dass es die Gerichte überhaupt annehmen. Es passt ja sehr gut in die schon lange von der Politik und den Medien geschürten Atmosphäre der Diffamierungen und Verleumdungen der Ärzteschaft. Es ist eine Paralelle der Hexenprozesse; es ist enttäuschend zu wissen, dass dies auch noch im 21. Jahrhundert möglich ist. Als ob wir keine wirkliche Probleme hätten, als ob die Gelder, die hier verschleudert werden, nicht anderweitig bitter nötig wären. Aber das interessiert wohl kaum, sind ja Steuergelder.
Die Kollegin kann ja einem leidtun. Persönlich wünsche ich ihr Kraft und Mut und Gerechtigkeit. Aber da müssten ja die Richter Richter sein, Verstand und Sachverstand walten lassen, den Sinn für Verhältnismäßigkeit nicht verlieren und keine spitzfindige Paragraphen-Reiterei betreiben.
Die Menschlichkeit und gesunde Menschenverstand scheint aber in Deutschland auf der Strecke geblieben zu sein .............. zum Beitrag »
[19.01.2011, 20:52:35]
Christiane Sautter-Müller 
Doppelmoral???
Vor Jahren ist mein damaliger Partner an einem Glioblastom gestorben. Er wurde zu Hause gepflegt. An seinem letzten Wochenende war sein Hausarzt nicht zu erreichen und kein anderer Arzt sah sich in der Lage in ausreichender (erhöhter?) Menge Morphin zu verordnen, obwohl er sehr inständig darum gebeten hat. Es war kein würdiges Sterben sondern unnötiger Schmerz und unnötiger Kampf. Hätten wir nur eine Ärtzin gefunden, wie die, die hier jetzt angeklagt wird.... zum Beitrag »
[19.01.2011, 10:30:52]
Marion Knorr 
Merkmal Heimtücke?
Da fällt einer Klinik ein erhöhter Morphiumgebrauch auf, durch den 13 Menschen vorsätzlich (heimtückisch?) getötet worden seien. Um was für Mengen an Morphium handelt es sich denn da? Als Fachkraft Palliativ Care kann ich nur sagen: Palliativpatient(inn)en haben immer einen erhöhten Morphium Bedarf! Es erscheint aus der Distanz absurd einer Ärztin, die an Krebs Erkrankte betreut, "Doppelmord" vorzuwerfen.
Die interessierte Öffentlichkeit darf gespannt sein, wie - und nicht erstmalig- das "Töten", sozusagen als etwas "monstermäßiges", einer (vermutlich)sozial ambitionierten Person angelastet und gegen diese ein Verfahren geführt wird, womit zugleich wundersam von struktureller Gewalt im Staats- und Gesundheitswesen abgelenkt werden kann.  zum Beitrag »
[19.01.2011, 08:46:58]
Dr. Peter M. Schweikert-Wehner 
Was ist mord
Mord ist das töten aus niedriger gesinnung. welchen vorteil soll die ärztin denn gehabt haben? das ist ja wohl eine farce! zum Beitrag »

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