Ärzte Zeitung online, 15.04.2011

Weniger Kinder für amtlichen Vormund

BERLIN (dpa). Nach mehreren tragischen Fällen von misshandelten und vernachlässigten Kindern bekommen die Jugendämter strengere Auflagen.

Weniger Kinder für amtlichen Vormund

Die Anzahl an Kindern, die ein amtlicher Vormund zu betreuen hat, wird gesenkt.

© dpa

Der Bundestag beschloss am Donnerstagabend (14. April), dass jeder Vormund ein von ihm betreutes Kind in der Regel einmal im Monat persönlich besuchen muss.

Um ihm das zu ermöglichen, darf er künftig nur noch für maximal 50 Kinder zuständig sein und nicht mehr - wie derzeit üblich - für 120 Kinder.

Besuch einmal im Monat

Hintergrund sind Fälle wie der Tod des zweijährigen Kevin aus Bremen. Die Leiche des kleinen Junge wurde im Jahr 2006 mit schweren Misshandlungsspuren im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters gefunden. Kevins Vormund beim Jugendamt war damals für 240 bis 270 Kinder zuständig.

Drohende Gefahren für die sogenannten Mündel sollen jetzt dadurch frühzeitig erkannt werden, dass der amtliche Vormund regelmäßig die Familien besucht. Im Einzelfall kann aber davon abgewichen werden, dass das Treffen einmal pro Monat stattfinden muss.

Im Gesetz heißt es, dasss wenn die Umstände dies erfordern, könnten die Abstände zwischen den Besuchen verkürzt, aber auch verlängert werden. Man wolle die Jugendämter nicht in ein zu enges Korsett pressen, erklärte der FDP-Rechtsexperte Stephan Thomae.

Opposition stimmt dagegen

Die Opposition stimmte zwar nicht gegen das Gesetz, enthielt sich jedoch geschlossen. So sprach der familienpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jörn Wunderlich, zwar von einer Verbesserung - für viele Kommunen seien die Maßnahmen aber nicht finanzierbar.

Die Sozialdemokraten plädierten dafür, die Betreuungs-Höchstgrenze für einen Vormund schon bei 40 und nicht erst bei 50 Kindern zu ziehen.

Die SPD-Abgeordnete Sonja Steffen kritisierte, bei 50 Mündeln und einem Besuch pro Monat bedeute das für einen Vormund mit Vollzeitstelle zwei bis drei Besuche pro Tag.

Thomae sagte hingegen, einige Bundesländer hätten mit der Begrenzung auf 50 bereits gute Erfahrungen gemacht.

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