Ärzte Zeitung, 21.04.2011

Atteste in Unkenntnis der Person sind für Ärzte tabu

Eine Fachärztin für Nervenheilkunde kann kein Attest über eine Frau ausstellen, die sie nicht persönlich gesehen hat. Sie darf nicht nur den Angaben des Ex-Ehemannes vertrauen, entschied das Verwaltungsgericht Gießen.

Atteste in Unkenntnis der Person sind für Ärzte tabu

Ärzte verstoßen mit Attesten über ihnen Unbekannte gegen die ärztliche Berufsordnung.

© Martina Taylor / fotolia.com

GIESSEN (bü). Ärzte dürfen nicht über Personen ein Attest ausstellen, die sie weder untersucht noch gesehen haben. Dies verstößt gegen die ärztliche Berufsordnung, urteilte kürzlich das Verwaltungsgericht Gießen.

In dem konkreten Fall hatte eine Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im Rahmen eines Sorgerechtsstreits einem von ihr behandelten Mann - auf dessen Wunsch hin - ein falsches Attest über die ihr völlig unbekannte Ex-Ehefrau des Patienten ausgestellt.

Der geschiedene Vater hatte bei Besuchen von seinen Sorgerechtsstreitigkeiten erzählt, wobei er deutlich machte, dass er an der Erziehung der Kinder beteiligt werden wolle. Er zeigte der Ärztin ein Gutachten, das die Übertragung des alleinigen Sorgerechts auf die Mutter vorschlug. Die Ärztin stellte dann ein Attest aus, wonach seine Exfrau "eigentlich" nicht in der Lage erscheine, die Auflagen bezüglich ihrer mütterlichen Aufgaben zu erfüllen.

Das Gericht verurteilte die Ärztin zu einer Geldbuße von 500 Euro, da sie gegen die Pflicht zur gewissenhaften Berufsausübung verstoßen habe. Diese verpflichtet Ärzte, Zeugnisse oder Gutachten nach bestem Wissen ihrer ärztlichen Überzeugung auszusprechen.

Az.: 21 K 1582/10

Topics
Schlagworte
Recht (12041)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »