Ärzte Zeitung online, 04.05.2011

Österreich: Haftstrafe für falschen Notarzt

WIEN (dpa). Eine Frau starb, eine weitere liegt seit Monaten im Koma: Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Betrugs ist ein 38-jähriger Deutscher, der sich in Österreich als Notarzt ausgegeben hatte, zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA akzeptierte der Mann - ein Schauspieler - das Urteil des Wiener Straflandesgerichtes vom Dienstag.

Er hatte bei österreichischen Rettungsdiensten gefälschte Unterlagen vorgelegt und absolvierte allein für den Arbeitersamariterbund 55 Einsätze.

Der in Deutschland vielfach vorbestrafte 38-Jährige hatte sich in Österreich mit einer gefälschten Approbationsurkunde Zugang zu einem Kurs für Notfallmedizin verschafft. Er gab vor Gericht an, wegen mäßiger Erfolge als Schauspieler in Geldnot geraten zu sein.

Nach Angaben von Zeugen zeigte sich bei seinen Rettungseinsätzen "völlige Ahnungslosigkeit". Während etwa eine Patientin ins Koma fiel, habe er lediglich in Unterlagen geblättert, ohne Hilfe zu leisten.

Der zuständige Richter Stefan Apostol warf dem Angeklagten "arrogante Selbstüberschätzung" vor: "Sie haben Notarzt gespielt und mit dem Leben anderer gespielt". Der Angeklagte verteidigte sich mit dem Hinweis auf seine frühere Tätigkeit als Zivildienstleistender.

Bei den Dienstgebern des Mannes stellte der Richter "massives Mitverschulden" fest, da sie die angeblichen Qualifikationen nicht ausreichend geprüft hätten.

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