Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Neue Runde im Galavit-Betrugsprozess

KASSEL (kaj). Mit nur noch zwei Angeklagten hat am Donnerstag die dritte Auflage des Betrugsprozesses um das angebliche Krebsheilmittel "Galavit" begonnen.

In dem Verfahren um gewerbsmäßigen Bandenbetrug an 132 Krebspatienten muss das Kasseler Landgericht erneut über das Strafmaß für einen 62-jährigen Journalisten und einen 40-jährigen Kaufmann befinden. Beide waren in Revision gegangen um niedrigere Strafen zu erreichen.

In dem vom Bundesgerichtshof kassierten jüngsten Urteil aus 2010 war der Journalist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, der Kaufmann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten

Verhandelt wird nur noch über das Strafmaß. Die Schuldsprüche gegen die Männer stehen bereits seit 2009 rechtskräftig fest.

Sie waren zuvor gemeinsam mit einem als Hauptdrahtzieher geltenden Geschäftsmann, einem Onkologen und einem weiteren Kaufmann verurteilt worden.

Fast 9000 Euro für die Behandlung

Den Feststellungen zufolge hatten die fünf das in Russland zugelassene Präparat "Galavit" in den Jahren 2000 und 2001 zu überhöhten Preisen und unter falschen Behauptungen über eine angeblich wissenschaftlich erwiesene Wirksamkeit gegen Krebs vertrieben.

Für 15 Spritzen in einer Privatklinik in Bad Karlshafen (Kreis Kassel) zahlten die Patienten umgerechnet 8500 Euro - der Import des Mittels kostete kein Zwanzigstel. Der Aufenthalt in der Klinik war extra zu bezahlen.

Das Verfahren gegen den Onkologen war 2010 abgetrennt worden. Der Mediziner macht geltend, er sei verhandlungsunfähig erkrankt.

Nachdem ein Gutachten einer bayerischen Gerichtsärztin dies bestätigt habe, sei das Verfahren gegen den Arzt im Juni vorläufig eingestellt worden, teilte das Kasseler Landgericht mit. Der laufende Prozess in Kassel wird am Montag fortgesetzt.

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