Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Verwechslungsgefahr: "Doktor" allein reicht nicht

SCHLESWIG (fl). Namen sind nicht nur Schall und Rauch - insbesondere wenn ein Doktortitel diesen schmückt. Doch werden im Geschäftsverkehr ausländische Doktortitel angegeben, muss auch das konkrete Fach und der Herkunftszusatz aufgeführt werden, entschied das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht (OLG).

Verwechslungsgefahr: "Doktor" allein reicht nicht

Doktortitel - wo Doktor draufsteht, muss auch das konkrete Fach- und der Herkunftszusatz aufgeführt werden.

© Christian Jung/fotolia.com

Allein der Namenszusatz "Dr." reicht nicht und stellt im Geschäftsverkehr eine "unlautere" Werbung dar, so die Schleswiger Richter.

Im konkreten Rechtsstreit hatte ein Steuerberater, der seinen Doktortitel an der slowakischen Universität in Bratislava erhielt, auf Briefköpfen nur das "Dr."-Kürzel angegeben. Den vollen akademischen Grad "doktor filozofie" (Abkürzung "PhDr.") unterschlug er in seinen Mandantenschreiben.

Steuerberaterkammer klagte auf Unterlassung

Die Steuerberaterkammer klagte daraufhin auf Unterlassung. Sie meinte, dass der genaue Titel "doktor filozofie" sowie die Herkunftsbezeichnung angegeben werden muss. Denn dieser ausländische Doktortitel könne bereits ohne abgeschlossenes Studium verliehen werden.

Ein üblicher Doktortitel ohne Zusatz setze dagegen ein abgeschlossenes Studium voraus. Da der Steuerberater die genauen Angaben seines Doktortitels nicht wiedergebe, stelle dies "unlauteres Marktverhalten" dar.

Dem stimmte nun auch das OLG zu. Die landesrechtlichen Regelungen in den Bundesländern - mit Ausnahme von Bayern und Berlin -schreiben vor, dass beim Auftreten im Markt die genaue Bezeichnung sowie die Herkunft des ausländischen Doktortitels angegeben werden muss. Nur so könnten Verwechslungen zwischen den ausländischen akademischen Graden und der deutschen Promotion vermieden werden.

Az.: 6 U 6/10

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