Ärzte Zeitung, 06.09.2011

Arbeitsunfall: LSG berücksichtigt Albträume

MÜNCHEN (mwo). Albträume, in denen ein Arbeitsunfall immer wieder neu durchlebt wird, sind bei der Berechnung der Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung zu berücksichtigen.

Sie wiegen allerdings nicht so schwer wie eine posttraumatische Belastungsstörung, heißt es in einem schriftlich veröffentlichten Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts (LSG) in München.

Der Kläger arbeitete in einer Schnapsbrennerei. Im Mai 1999 platzte eine abgefüllte Flasche, und der Schnaps fing Feuer. Dadurch erlitt der Mann Verbrennungen am rechten Unterschenkel.

Diese verheilten gut, so dass als Dauerfolge nur Empfindungsstörungen im Bereich der verbrannten Haut blieben. Allerdings träumte der Mann auch noch nach Jahren alle drei bis fünf Tage von dem lodernden Feuer.

Albträume sind Unfallfolgen, Kopfschmerzen nicht

Neben den Empfindungsstörungen muss die Berufsgenossenschaft auch diese Albträume als Unfallfolge anerkennen, urteilte das Landessozialgericht.

Allerdings sei der Mann am nächsten Morgen trotzdem meist fitt. Andere Gesundheitsstörungen wie Kopfschmerzen und drei Hörstürze gingen nach Einschätzung der Sachverständigen dagegen nicht auf den Unfall zurück.

Daher seien die Albträume nicht so schwer wie eine posttraumatische Belastungsstörung zu werten, die das Alltagsleben und auch die Erwerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.

Im Streitfall ergebe sich in der Summe daher keine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent. Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente bestehe daher nicht, so das LSG in seinem inzwischen rechtskräftigen Urteil vom 23. Februar 2011.

Az.: L 2 U 249/10

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »