Ärzte Zeitung online, 17.08.2011

Zoll verbrennt Tonnen von Arzneien

Es war ein riesiger Fund: Millionen illegaler Arzneimittel hatten Fahnder im Herbst 2010 in einer Kleinstadt bei Frankfurt sichergestellt. Jetzt wurden die Dopingpräparate verbrannt. Der Zoll spricht von einer noch nie dagewesenen Vernichtungsaktion.

Riesige Vernichtungsaktion: Zoll verbrennt Tonnen Dopingmittel

Auswahl der beschlagnahmten Dopingpräparate und Schlankheitspillen, die später in einer Frankfurter Abfallverbrennungsanlage vernichtet wurden.

© Pete Smith

FRANKFURT/MAIN (Smi). Das Zollfahndungsamt Frankfurt am Main hat am Mittwoch (17. August) mehr als fünf Millionen Einheiten an Dopingpräparaten, 250.000 Potenzpillen, 50.000 Schlankheitspillen sowie 20.000 gefälschte Markentextilien verbrennen lassen.

"Eine Vernichtungsaktion wie diese hat es in Deutschland noch nie gegeben", sagte Hans-Jürgen Schmidt, Pressesprecher des Frankfurter Zollfahndungsamtes.

"Das ist die weltweit größte Einzelsicherstellung von Dopingmitteln, die wir heute der Vernichtung zugeführt haben. Damit haben wir der internationalen Dopingszene einen empfindlichen Schlag versetzt."

Dopinghändler aus der hessischen Wetterau

Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Zollfahnder im mittelhessischen Nidda ein Lager mit 5,3 Millionen Tabletten, Kapseln und Ampullen entdeckt, die zu Dopingzwecken auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollten. 95 Prozent dieser Präparate waren Anabolika.

Die Ermittlungen sind inzwischen abgeschlossen, der Täter, ein Mann aus dem Wetteraukreis, wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Gießen hatte die Frankfurter Zollfahndung zuvor drei Jahre lang gegen den Betreiber des weltweit bekannten Labels "IP" (International Pharmaceuticals) ermittelt, das Dopingmittel über ein internationales Netzwerk aus Indien und China bezog.

Lieferungen kamen aus China

Die 50.000 Appetitzügler mit dem Wirkstoff Sibutramin haben die Zollfahnder am Frankfurter Flughafen im Gepäck zweier rumänischer Stewardessen entdeckt. Die Pillen stammten aus China und sollten in Rumänien verkauft werden.

Die 250.000 Potenzpräparate schließlich wurden in den vergangenen Monaten im Internationalen Postfrachtzentrum am Frankfurter Flughafen sichergestellt.

Absender der Päckchen mit jeweils 50 bis 150 Pillen war ein Hersteller aus China, die Sendungen waren an Empfänger im gesamten Bundesgebiet addressiert.

Zum Transport der Medikamente und Textilien im Gesamtumfang von 30 Tonnen waren zwei Container mit einem Fassungsvermögen von 80 Kubikmetern nötig, was einer Menge von 350 Haus-Mülltonnen entspricht.

Alle gefälschten Waren wurden gestern in einer Abfallverbrennungsanlage in Frankfurt vernichtet.

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