Ärzte Zeitung online, 14.09.2011

Prozess wegen Rentner-Misshandlung an höheres Gericht verwiesen

MANNHEIM (dpa). Sie sollen einen fast 80 Jahre alten und hilflosen Mann mehrere Wochen in einem völlig verdreckten Zimmer gehalten haben - der Prozess gegen eine 54-jährige Frau und ihren 26 Jahre alten Sohn ist nun ohne Urteil beendet und an ein höheres Gericht verwiesen worden.

Bei dem zu verhängenden Strafmaß von mehr als vier Jahren sei nicht mehr das Amtsgericht Mannheim zuständig, sagte der Richter am 13. September.

Die beiden Angeklagten sollen den alten und demenzkranken Mann nur wegen des Pflegegelds aufgenommen und mindestens zwischen Mai und August 2008 kaum noch versorgt und gepflegt haben. Die Rede war von einem kotverschmierten Raum ohne Heizung, Licht oder Wasser. Der Mann soll stattdessen ab und zu in einem Hof abgespritzt worden sein.

Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe gegen die Frau und ihren Sohn wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Untreue träfen in "vollem Umfang" zu, so der Richter.

Da beide keine ausreichenden Beziehungen in Deutschland hätten, sprach er wegen Fluchtgefahr einen Haftbefehl aus. Bevor die beiden verhaftet wurden, fiel die Frau in Ohnmacht und musste notärztlich versorgt werden.

Der Sohn hatte den damals 78-jährigen Stammgast einer Pizzeria zusammen mit dem Laden im Herbst 2006 "übernommen". Dieser soll keine Angehörigen haben.

"Das Interesse an ihm war gering", sagte die Staatsanwältin, die eine Haftstrafe von drei Jahren und elf Monaten gefordert hatte. Das beschuldigte Duo habe den Mann hingegen verachtet und "so umfänglich wie möglich ausnehmen wollen".

Insgesamt sollen sie knapp 12.000 Euro veruntreut haben. "Es war nicht Überforderung, sondern Verachtung und Habgier."

Die Zustände flogen auf, als die Angeklagten im August 2008 in Italien Urlaub machten und einem Mitarbeiter 40 Euro gaben, damit er dem Mann täglich Brot und Salami bringe.

Wegen einer fiebrigen Harnwegsinfektion des Opfers wenig später alarmierte der Helfer einen Arzt. Sanitäter mussten den übelriechenden Mann vor dem Abtransport aus seinen mit Fäkalien verklebten Kleidern schneiden.

Der während der Zeit um gut 15 Kilo abgemagerte Mann erholte sich in einem Pflegeheim, starb dort aber zwei Jahre später.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »