Ärzte Zeitung online, 23.09.2011
Saft in die Vene gespritzt - Kind tot
Ein Monat vor dem Ende seines PJ macht ein angehender Arzt einen folgenschweren Fehler: Er spritzt einem Säugling Saft in die Vene, das Kind stirbt. Statt Klinikalltag droht jetzt die Gefängniszelle.

Infusionen auf der Kinderkrebs-Station: Saft i.v. kostete Baby das Leben.
© biky / imago
BIELEFELD (nös). Ein Versehen oder schlicht mangelnde Konzentration eines Medizinstudenten im praktischen Jahr (PJ) hat einem Säugling in Bielefeld das Leben gekostet. Das evangelische Kinderkrankenhaus Bethel ist schockiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Der Vorfall hat sich Medienberichten zufolge bereits am 22. August zugetragen. Ein zehn Monate alter Säugling, der an Leukämie erkrankt war, sollte von dem PJler ein orales Antibiotikum als Saft erhalten, bestätigte Bethel-Sprecher Jens Garlichs der "Ärzte Zeitung".
Doch anstatt den Saft oral zu verabreichen, hat der angehende Mediziner ihn in einer Spritze aufgezogen und intravenös verabreicht.
Das bereits schwer kranke Kind fiel kurz darauf ins Koma und wurde sofort intensivmedizinische betreut. Doch alle Bemühungen der Ärzte halfen nicht, wenige Stunden später starb der Junge an Organversagen.
Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung
Die gesamte Klinik ist laut Garlichs "zutiefst betroffen und zerknirscht". Allerdings: "Das war wohl eindeutig ein menschlicher Fehler." Der werdende Arzt habe keine Anweisung für eine Injektion
bekommen, auch habe keine Indikation dafür bestanden.
Womöglich war der junge Mann in dem Moment unkonzentriert, vielleicht hat er in der Hektik übersehen, dass das Mittel oral verabreicht werden muss.
Was genau passiert ist, wird nun die Staatsanwaltschaft aufklären, die noch am selben Tag von der Klinik eingeschaltet wurde. Gegen den jungen Mediziner läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung.
Was wird aus der Approbation?
Garlichs: "Der junge Mann ist am Boden zerstört." Seit dem Vorfall
arbeitet er nicht mehr für das Kinderkrankenhaus, er ist "im Urlaub". Sein PJ sollte im September fertig sein, kurz darauf sollte er die Approbation erhalten. Doch daraus könnte schlimmstenfalls nichts werden.
Vorwürfe, der junge Mediziner sei nicht ausreichend während seiner Arbeit beaufsichtigt worden, wies Garlichs zurück: "Im PJ muss man auch alleine zu den Patienten gehen können. Das gehört schließlich zur Ausbildung."
Eine interne Untersuchungskommission der Klinik hat laut Auskunft des Sprechers keine Versäumnisse bei den anwesenden Oberärzten festgestellt.
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| [27.09.2011, 18:13:57] |
| Henryk Falkhofen
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| Orale Medis durch PJ'ler ?
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Warum wurde die (regelmäßige) orale Medikation überhaupt durch einen PJ-Studenten gegeben ?! 1: was soll er dadurch lernen, oder handelte es sich etwa um eine Erstgabe -- dann doch wohl sowieso unter Anleitung !
2: oder wurde Pflegepersonal durch eine studentische Hilfskraft(am WE/Nachtdienst)ersetzt, dann wärs tragisch für ihn, es sei denn, er wurde pflegerischerseits nicht eingewiesen (Doku !!) zum Beitrag »
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| [26.09.2011, 01:23:36] |
| Patricia Peterek
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| Student trägt nicht die Verantwortung
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Die Verantwortung liegt nicht beim Studenten sondern bei den ausbildenden Ärzten. Die Ärzte haben Aufsicht zu leisten, wenn ein Student Aufgaben ausführt, er befindet sich im Praktischen Jahr noch in der Ausbildung. Leider fehlt an vielen Stellen die offizielle Einweisung. Studenten übernehmen Aufgaben der Ärzte, üben sich an den Patienten, müssen Schwestern und Pfleger um Rat bitten bei praktischen Tätigkeiten, die ihnen in den theoretischen Vorlesungen nicht vermittelt wurden und die sie zum ersten Mal ausführen. Der angeklagte Student soll sich auf keinen Fall unterkriegen lassen. Es ist schrecklich, was passiert ist. Es zeigt, wie viele Verbesserungen notwendig sind in der medizinischen Ausbildung. zum Beitrag »
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| [24.09.2011, 02:02:03] |
| Christian Wolff
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| Spritze und orale Medikation
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Herr Koll. Paschen weist auf die Spritzen als Hilfsmittel zum Aufziehen von p.o.-Substanzen hin. Bei Mitteln zur Injektion legt man immer die Ampulle dazu. Verwechslung nahezu ausgeschlossen. Säfte sind meist mit Schraubdeckeln o.ä. zu verschließen, absolut untypisch für Injektions-Substanzen, die sich entweder in Ampullen oder Durchstechflaschen befinden. PJ-ler haben meist Pflegepraktika und Famulaturen hinter sich; hier muss ein anderer Umstand zur Verwechslung geführt haben, den es zu untersuchen gilt. zum Beitrag »
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| [23.09.2011, 22:20:19] |
| Antje Warbinek
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| Lesen hilft auch
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Bevor ich ein Medikament verabreiche, habe ich mich normalerweise darüber zu informieren WIE ich es verabreichen soll, ob oral, intravenös, intramuskulär. Dabei hilft das Lesen der Angaben auf der Flasche, der Medikamentenverpackung, des Beipackzettels...
Alles was ich nicht selber aufgezogen habe und von daher WEIß wie ich es zu verabreichen habe, hat in fremder Hand nichts verloren.
Leider gibt es heutzutage Antibiotika die mittels Pipette aus der Flasche entnommen werden, zwecks genauer Dosierung, jedoch ist da vorne dran kein Konus um eine Spritze auf zu setzen, von daher müßte klar sein, dass es nicht für den i.v.Bereich ist, sondern oral.
Anscheinend wurde versäumt den PJ umfassend in die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Verabreichung genauestes zu unterweisen.
In der Krankenschwesternausbildung ist das Pflicht und gehört dazu. zum Beitrag »
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| [23.09.2011, 21:52:15] |
| Maximilian Micka
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| Vollapprobation...
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Seit wann darf denn irgendjemand irgendetwas in eine Vene spritzen, der keine Vollapprobation hat ohne direkt dazu vom vollapprobierten Arzt angewiesen und überwacht zu werden??
Hier zeigt sich wieder ein klassisches Beispiel, wie die Arbeitskraft von jungen Medizinern ausgebeutet wird.
Unter dem Deckmäntelchen der "Ausbildung" werden den jungen Studenten Patienten aufgehalst ohne daß deren weitere Arbeit überwacht wird. Hauptsache irgendjemand macht den Job - egal wer und wie. Die Patienten zahlen die Zeche.
Den Ausführungen der beiden Kollegen schließe ich mich an. Hier gibt es nichts hinzuzufügen. zum Beitrag »
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| [23.09.2011, 20:15:05] |
| Andreas Linz
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| Spritze und orale Medikation
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ACC Kindersaft liegt eine Spritze zur oralen Applikation bei, um Fehler zu vermeiden allerdings ohne Konus. So sollte es auch im Klinikalltag eingeführt werden! zum Beitrag »
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| [23.09.2011, 18:48:38] |
| Dr. Ulla Birk
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| Gehört das PJ noch zum Studium?
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Auf jeden Fall gehört es zur Ausbildungsphase. Damit fällt die Verantwortung dem ausbildenden Arzt zu!
Jemand der orale und iv-Medikation aus der Flasche verwechselt, darf eigenständig keine Medikamente verabreichen. Darf er es doch, hat der ausbildende Arzt ihn überschätzt, womit es Fehler des Ausbilders ist.
Gestaltet sich die Situation wie durch Kollege Paschen geschildert, ist es sowieso Fehler des Ausbilders. zum Beitrag »
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| [23.09.2011, 16:57:32] |
| Dr. Ulrich Paschen
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| Spritze und orale Medikation
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Die bedauerliche Verwechslung ist gar nicht so außergewöhnlich! Früher benutzte man die 50 ml Spritzen für Perfusoren und zur Applikation von Sondennahrung über die Magensonde. Einige Versehen haben dazu geführt, dass die Anschlüsse so konstruiert wurden, dass man eine Perfusorspritze nicht auf eine Sonde konnektieren kann und andersherum. Auf Kinder- und Säuglingsstationen ist es leider allgemeiner Brauch, dass jemand orale Medikation auf eine Spritze zieht und dann ein anderer das Medikament in den Mund oder auf die Zunge zu träufelt. Dabei auf Wissen des Anderen oder auf lückenlose Kommunikation zu vertrauen, ist schlicht naiv. Das muss irgendwann schief gehen, wie auch immer dann ausgelöst. Weil selbst sachkundige Anwender mal irren können, muss jede Anwendung "foolproof" gestaltet sein. Die Verwendung von Spritzen zum Portionieren und Applizieren von oraler Medikation ist kein bestimmungsgemäßer Gebrauch von Injektionsspritzen und sollte grundsätzlich unterbunden werden. zum Beitrag »
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