Ärzte Zeitung, 19.10.2011

Kommentar

Keine Angst vor Rechtsschutzpolice!

Von Ilse Schlingensiepen

Als vertrauensbildende Maßnahme kann man die Patienten-Rechtsschutz-Police der DAK sicher nicht bezeichnen. Sie stärkt weder das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte noch das ohnehin schon geringe der Ärzte in die Kassen.

Es ist nachvollziehbar, dass Mediziner dieses Angebot skeptisch sehen. Es als reine Schikane und ärztefeindlich abzutun, greift allerdings zu kurz. Denn immerhin sehen sich die Krankenkassen Forderungen von Politikern und Verbraucherschützern gegenüber, ihre Versicherten bei Auseinandersetzungen mit Ärzten besser zu vertreten.

Die Kosten dafür dürfen sie aber nicht übernehmen. Deshalb hat die DAK einen Weg gesucht, die Lücke zu schließen.

Große Angst brauchen Ärzte vor dem Angebot der Kasse ohnehin nicht zu haben. Die DAK macht keine Angaben zur Zahl der in mehr als einem Jahr abgeschlossenen Policen. Das lässt darauf schließen, dass sich das Interesse der Versicherten in Grenzen hält.

Wäre das Angebot ein Renner, wären bestimmt auch schon andere Kassen auf den Zug aufgesprungen. Die meisten Patienten sehen einen Behandlungsfehler demnach nicht als große Bedrohung und gehen davon aus, dass sie eine solche Police nicht benötigen. Das wiederum ist eher ein Vertrauensbeweis für die Ärzte.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Patienten-Rechtsschutz ärgert Ärzte

[19.10.2011, 11:59:17]
Dr. Jürgen Schmidt 
Gerichtsverfahren mit Obudsmännern ( und -frauen) vorbeugen
Die DAK hat sich da ein nettes Angebot an ihre Versicherten ausgedacht, das offensichtlich wenig genutzt wird und unter dem Aspekt Marketing abgebucht werden kann. Vermutlich beschert es der DAK auch Einnahmen über die Vermittlungsprovision.

Gleichwohl werden die meisten Streitigkeiten zunächst bei der Schlichtungsstelle landen, schon deshalb, weil der möglicherweise Geschädigte dort eine umfangreiche Stellungnahme zum medizinischen Hintergrund erhält, die bei einer späteren Klage hilfreich sein kann.

"Amerikanische Verhältnisse" sind nicht von zunehmender Klagefreudigkeit der Patienten zu erwarten, sondern abhängig von der Spruchpraxis der Gerichte und der Objektivität der Gutachter. Die Tätigkeit der Gutachter erlaubt allerdings, soweit sie für Versicherungen ausgeübt wird, gelegentliche Zweifel. Davon ist aber nicht der Arzt betroffen, sondern der Patient.

Gerichtsverfahren sind für den betroffenen Arzt eine extreme Belastung.
Sehr oft ist nicht nur ein (vermeintlicher) Behandlungsfehler die Ursache, sondern ein Konflikt auf der menschlichen Ebene. Hier können Patientenombudsleute - wenn sie gut sind - eine segensreiche Vorbeugung leisten und entweder den Konflikt entschärfen, oder das Verfahren in sachliche Bahnen lenken. Schleswig-Holstein hat seit 20 Jahren einen derartigen Ombudsmannverein mit zahlreichen Trägern neben der Ärztekammer und ist mit den meisten (nicht allen!) Ombudsleuten, oft pensionierten Pastoren/innen, sehr gut gefahren. zum Beitrag »

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