Ärzte Zeitung online, 04.11.2011

Arzt in U-Haft: Starb ein Patient wegen unnötiger Operation?

WOLFSBURG (gwa). Ein Arzt aus Wolfsburg sitzt seit dem 4. November in U-Haft. Grund: Er soll einen Patienten operiert haben, obwohl es keine medizinische Indikation gab. Der Patient starb. Außerdem besteht der Anfangsverdacht auf gewerbsmäßigen Betrug.

Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe von der Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte der "Ärzte Zeitung" auf Anfrage, dass gegen den Arzt wegen 24 Straftaten ermittelt werde.

Unter anderem geht es um fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge, eine Straftat, die mit Freiheitsstrafen nicht unter drei Jahren geahndet werden kann. Vorgeworfen wird dem Arzt, dass er einen Patienten operiert habe, obwohl es keinen Grund gab. Zudem bestehe der Verdacht, dass der Arzt Fehler bei der Narkose gemacht habe. Der Patient starb.

Außerdem soll der Arzt auch Patienten behandelt haben, die gar keine entsprechende Krankheiten hatten, oder bei denen seine Therapien nicht indiziert waren.

Ziehe erinnerte daran, dass jeder ärztliche Eingriff im Prinzip eine Körperverletzung sein kann, es sei denn, der Patient ist ausdrücklich einverstanden und / oder der Eingriff ist notwendig, etwa bei einem Notfall.

Verdacht auf gewerbsmäßigen Betrug

Zudem wird dem Arzt vorgeworfen, er habe gewerbsmäßig betrogen. Gewerbsmäßiger Betrug bedeutet, dass sich jemand damit seinen Lebensunterhalt finanziert. Geprüft werden in diesem Zusammenhang Abrechnungen aus den Jahren 2001 bis 2011, wie Ziehe sagte.

Die in Medienberichten genannte Schadenshöhe von über 100.000 Euro bestätigte Ziehe nicht. Es gehe zwar um erhebliche Summen. Doch was davon zu Recht oder zu Unrecht abgerechnet worden sei, müsse erst geprüft werden. Eine Schadenshöhe im fünfstelligen Eurobereich sei aber möglich.

Ziehe sagte aus Datenschutzgründen auch nichts über das Fachgebiet des verhafteten Arztes.

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