Ärzte Zeitung online, 25.11.2011

Orthopäde schweigt bei Prozessauftakt

FULDA (dpa). Beim Prozessauftakt gegen einen Orthopäden aus Fulda sind die schweren Hygiene-Mängel im OP-Zentrum des Mediziners deutlich geworden.

Drei Patienten hatten sich laut Staatsanwaltschaft in dem mit Bakterien versuchten Operationssaal mit Streptokokken infiziert und mussten sofort mehrfach operiert werden. Einer Frau wurde sogar ein Bein amputiert, um ihr Leben zu retten.

Angeklagt ist der 63 Jahre alte Mediziner unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm auch mangelnde Hygiene vor.

Manche Geräte seien verschmutzt und verrostet gewesen. Die Belüftung im Operationssaal sei ebenfalls mangelhaft gewesen, sodass sich Schimmelsporen festsetzen konnten.

Amputation, Koma, seelische Folgen

Der angeklagte Arzt wollte sich am Donnerstag vor Gericht zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. Im Vorfeld hatte er bestritten, dass sich die Patienten in seiner Praxis infiziert hätten.

Jedoch kamen alle drei am selben Tag im April 2010 bei ihm operierten Patienten anschließend mit der lebensbedrohlichen Streptokokken-Infektion in ein Klinikum.

Im Falle einer Verurteilung muss der Orthopäde mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft rechnen.

Das Kreisgesundheitsamt hatte die Praxis im April 2010 sofort schließen lassen. Im August 2011 wurde der OP-Saal wieder freigegeben.

Die drei betroffenen Patienten waren in Folge der Komplikationen insgesamt 27 Mal operiert worden. Eine 60-jährige Patientin lag drei Wochen im Koma, ehe es zur Amputation kam. Sie leider seelisch sehr stark darunter, sagte ihr Anwalt.

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