Ärzte Zeitung online, 25.11.2011

Ein Jahr Aufschub für Affenversuche in Bremen

Der Streit um Versuche mit Makaken schwelt seit Jahren: Nun hat das Oberverwaltungsgerichts einen Eilbeschluss erlassen. Der Neurobiologe darf die umstrittenen Tierversuche zunächst für ein Jahr fortzusetzen.

BREMEN (cben). Etappensieg für die Bremer Neuro-Biologen: Vorerst gehen die umstrittenen Affenversuche von Professor Andreas Kreiter weiter.

Die Versuche mit Makaken an der Bremer Universität dürfen nach einem Eilbeschluss des Oberverwaltungsgerichts für zunächst ein Jahr fortgesetzt werden.

Die bisherige Genehmigung war bis Ende November 2011 befristet. Die Richter verlängerten sie nun um ein Jahr.

"Die Universität sieht sich in ihrer Position bestätigt", erklärte ein Sprecher der Uni Bremen, "die Forschungsarbeiten von Andreas Kreiter sind international hoch anerkannt und zugleich ethisch vertretbar."

Hauptsache wird noch verhandelt

Seit dem Frühsommer arbeitet Kreiter nach einstweiliger Anordnung des Verwaltungsgerichtes. "Die endgültige Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in der Sache steht noch aus", sagte der Uni-Sprecher.

Dabei geht es um eine Klage der Universität gegen den Ablehnungsbescheid der Bremer Gesundheitsbehörde. Sie hatte 2008 einen Antrag von Professor Kreiter zur Genehmigung von Tierversuchen im Zusammenhang mit seinen Hirnforschungen abgelehnt.

Dagegen hatte Andreas Kreiter vor dem Verwaltungsgericht geklagt und bereits im vergangenen Jahr in dieser Instanz Recht bekommen.

Die Bremer Gesundheitsbehörde hatte gegen dieses Urteil beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Berufung eingelegt. Das OVG ist seither mit dieser Klage befasst.

"Interesse des Forschers überwiegt"

"Schon im Dezember 2010 hat die Universität Bremen beim Oberverwaltungsgericht das Gutachten eines anerkannten deutschen Veterinärmediziners eingereicht", betonte die Universität.

"Die Kernaussage des Gutachtens: Die Belastungen der Makaken bei den Versuchen sind gering."

"Das Interesse des Forschers an der vorläufigen Fortführung seines Vorhabens überwiege hier nicht zuletzt deshalb, weil es um Versuchsreihen gehe, die mit behördlicher Genehmigung begonnen und dann aufgrund einer vom Verwaltungsgericht erlassenen einstweiligen Anordnung fortgeführt worden seien", begründete das Gericht seine Entscheidung.

Kreiter erhofft sich von seiner Grundlagenforschung unter anderem Erkenntnisse für die Behandlung von Alzheimer- und Epilepsie Patienten.

Az.: 1 B 272/11

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