Ärzte Zeitung online, 02.12.2011

KBV warnt vor DrEd

KBV warnt vor DrEd

Mit ein paar Mausklicks die Pille oder Viagra bestellen, die Blasenentzündung oder den Bluthochdruck behandeln lassen - das versprechen die Betreiber des neuen Internetportals "DrEd.com". Die KBV kritisiert die virtuelle Behandlung.

Von Anja Sokolow

BERLIN/LONDON. Nach der Bundesärztekammer warnt nur auch die KBV vor dem neuen Internetportal "DrEd" aus London. "Es kann einen Arztbesuch nicht ersetzen", sagte der KBV-Sprecher Roland Stahl der Nachrichtenagentur dpa.

Auch ein Beitrag zur Verbesserung der Krankenversorgung sei das Portal nicht. Deshalb sehe die Ärzteschaft Angebote wie dieses äußerst skeptisch, hieß es von der BÄK.

Patienten mit Asthma, Bluthochdruck, Blasenentzündung und weiteren Krankheiten können sich bei "DrEd" per Mausklick behandeln lassen, bekommen ihr Rezept per Post oder die Medikamente durch eine Internet-Apotheke zugesandt.

Bis zu 30 Euro pro Behandlung

Die Patienten müssen nur Fragebögen beantworten. "Ein Telefongespräch mit dem Arzt ist möglich, wenn nötig", erklärt Sprecher Jens Apermann.

Für akute Erkrankungen und Notfällen sei das Portal nicht geeignet, erklärt er. Eine Praxisgebühr entfällt, doch die Behandlungen kosten bis zu 29 Euro.

Zwei deutsche Ärzte arbeiten für das Unternehmen mit Sitz in London. "Das hat rechtliche Gründe", sagt Apermann. In England sei das Angebot legal, in Deutschland nicht, erklärte Carsten Dochow, Mitarbeiter am Göttinger Zentrum für Medizinrecht, mit Verweis auf das Fernbehandlungsverbot

Im Falle eines Behandlungsfehlers könne die unangenehme Folge auftreten, dass der Patient den Arzt am Ort der Niederlassung des Unternehmens, hier also in England, verklagen muss, gibt Dochow zu bedenken.

Anlaufstelle für "peinliche Probleme"

"Wir wissen, dass die Mehrzahl der Ärzte das, was wir tun, ablehnen", sagt Apermann. Doch "DrEd" wolle auch Patienten mit peinlichen Problemen helfen, die sonst möglicherweise den Weg zu Arzt scheuten.

"Auch wenn es peinlich ist: Aus Schamgefühl sollte niemand auf den Arztbesuch verzichten", betont KBV-Sprecher Stahl. "Auch die blaue Pille kann gefährlich sein", warnt er mit Blick auf das Potenzmittel Viagra, das es ebenfalls bei "DrEd" gibt.

Im Bundesgesundheitsministerium sieht man "DrEd" ebenfalls kritisch. "Bei einem persönlichen Arztbesuch kann der Mediziner viel mehr wahrnehmen als bei einem Kontakt via Internet", sagt Pressereferent Roland Jopp.

Der Patient könne dem Arzt zwar Dinge nennen, die ihm selbst auffallen, ein Arzt könne aber mehr sehen und ertasten.

Das Portal "DrEd" bezeichnet sich selbst als telemedizinisches Angebot. "Telemedizin ist das aber nicht", entgegnet Jopp.

Keine Telemedizin

Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin so. Der Deutsche Ärztetag habe Leitsätze dazu verabschiedet, wonach die Technik ärztliches Handeln unterstützen, aber nicht ersetzen solle, betont Wolfgang Loos vom Vorstand der Gesellschaft.

Es gebe bereits zahlreiche telemedizinische Angebote in Deutschland. Eine im Mai 2010 veröffentlichte Landkarte liste rund 270 einzelne Dienste und Projekte auf.

Das Unfallkrankenhaus Berlin hat eigenen Angaben zufolge 2004 als bundesweit erstes Krankenhaus mit der Telemedizin begonnen. Dort arbeiten Radiologen und Neurologen mit 16 Krankenhäusern in vier Bundesländern zusammen und stellen mit externen Befunden, Live-Schaltung und Web-Cam Diagnosen.

Pro Jahr kommen mehr als 60.000 telemedizinischen Befundungen und Leistungen zusammen. Die Berliner Ärzte ersetzen die Spezialisten, die es vor Ort nicht mehr gibt, nicht aber den betreuenden Arzt (dpa).

[03.12.2011, 11:51:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Am Telefon und durch die Hose stellt man keine Diagnose"
... war dazu der Kommentar einer befreundeten Kollegin in ihrer Facebook-Pinwand. MfG Dr. med. Thomas G. Schätzler  zum Beitrag »

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