Ärzte Zeitung online, 23.12.2011

Notarzt nicht gerufen: Sieben Jahre Haft

KARLSRUHE (mwo). Weil ein 31-jähriger Mann für seine 20 Jahre alte Ex-Freundin nach einer tödlichen Drogendosis keinen Notarzt gerufen hat, muss er wegen Totschlags durch Unterlassen für sieben Jahre ins Gefängnis.

Mit seinem Urteil bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe einen entsprechenden Schuldspruch des Landgerichts Trier.

Der 31-Jährige hatte mit der 20-jährigen Studentin aus Trier ursprünglich eine intime Beziehung gehabt. Die Frau sah in dem drogensüchtigen Mann ihre "große Liebe" und war von ihm emotional abhängig.

Als er ihr bei einem Besuch mitteilte, dass er die Beziehung auf keinen Fall fortsetzen wolle, griff die verzweifelte Studentin spontan zu einer Halbliterflasche "Liquid Ecstasy", die der Angeklagte mitgebracht hatte.

Bei dieser Partydroge handelt es sich um das Lösungsmittel Gamma-Butyrolacton (GBL). Die Studentin trank davon etwa 15 bis 25 Milliliter, die potenziell letale Dosis lag bei sieben Millilitern.

Als der 31-Jährige erkannte, dass seine Ex-Freundin eine tödliche Dosis eingenommen hatte, brachte er sie zum Erbrechen. Dennoch wurde sie bewusstlos.

Einen Notarzt rief der Mann trotzdem nicht. Er suchte vielmehr im Internet nach Tipps, was zu machen sei - jedoch ohne Erfolg. Daraufhin verließ er die Wohnung, ohne weitere Hilfemaßnahmen zu veranlassen.

Das Landgericht Trier verurteilte ihn schließlich zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe wegen Totschlags durch Unterlassen. Den Tod seiner Ex-Freundin habe er billigend in Kauf genommen.

Zu Recht, wie nun der BGH bestätigte. Der Angeklagte habe die Flasche "Liquid Ecstasy" selbst mitgebracht und so die Gefahrenquelle erst geschaffen.

Anders als seine Ex-Freundin habe er auch die Gefährlichkeit einschätzen können, weil er die Partydroge selbst konsumierte. Die unterbliebene Benachrichtigung eines Notarztes sei daher als Totschlag durch Unterlassen zu werten.

Der vom Angeklagten vorgebrachte Einwand, dass seine Ex-Freundin wohl Suizid begehen wollte, und deshalb die Strafe geringer ausfallen müsse, sei nicht überzeugend.

Eine ernstliche Selbstmordabsicht der Studentin liege eher fern. Sie habe offenbar gar nicht gewusst, dass die eingenommene Menge tödlich ist.

Bei dem Wunsch nach Selbstmord hätte sie auch nicht willentlich erbrochen. Auch der Angeklagte selbst sei offenbar nicht von einer Selbstmordabsicht ausgegangen, so der 2. Strafsenat des BGH.

Az.: 2 StR 295/11

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