Ärzte Zeitung online, 31.12.2011

Magenbypass kann Kassenleistung sein

MAINZ (mwo). Die gesetzlichen Krankenkassen müssen in Ausnahmefällen eine Magenbypassoperation bezahlen.

Diese künstliche Verkleinerung von Magen und Darm wird dann zur Kassenleistung, wenn einer extremen Fettleibigkeit anders nicht mehr beizukommen ist, heißt es in einem Urteil des Landessozialgerichts (LSG) Rheinland-Pfalz in Mainz.

Die heute 51-jährige Klägerin ist 1,65 Meter groß und wog im Mai 2007 173 Kilogramm. Das entspricht einem Body-Mass-Index (BMI) von 63,5.

Mehrere Therapien, Kuren, Diäten und auch eine psychologische Behandlung blieben ohne Erfolg. Ihre Ärzte schlugen daher eine Magenbypassoperation vor.

Dabei wird der Magen verkleinert und der Dünndarm verkürzt, so dass der Körper insbesondere weniger Fett aufnimmt. Die Kasse wollte die Kosten von 7 250 Euro allerdings nicht bezahlen.

Während das Sozialgericht Koblenz die Klage der Frau noch abwies, gab ihr das LSG nun Recht. Zwar müssten die Kassen eine Operation an eigentlich funktionsfähigen Organen in der Regel nicht bezahlen.

Revision beim Bundessozialgericht

Ausnahmen müsse es aber geben, wenn keine andere erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeit mehr bleibe.

Das sei hier der Fall, so das LSG. Andere Behandlungsmöglichkeiten seien gescheitert. Auch eine Mischung aus Diät und Sport sei nicht mehr erfolgversprechend gewesen.

Daher habe im konkreten Fall sogar der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Magenbypassoperation als "anerkanntes Verfahren" befürwortet.

Mit Urteil vom 20. Juni 2001 hatte das LSG Baden-Württemberg in Stuttgart eine ähnliche Klage abgewiesen (Az.: L 5 KR 297/09). Der Fall sei aber nicht vergleichbar, der BMI habe hier "nur" 43,1 betragen, erklärte hierzu das LSG Mainz.

In dem Mainzer Fall hat die Krankenkasse bereits Revision zum Bundessozialgericht (BSG) in Kassel eingelegt

Az.: L 5 KR 12/11

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