Ärzte Zeitung online, 07.04.2012

Bestechlichkeit - Onkologen unter Verdacht

Geschäft mit dem Krebs: Mehrere deutsche Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Ärzte und Pharmafirmen wegen Bestechlichkeit. Allein in Erfurt soll ein Arzt mehrere Hunderttausend Euro für die Verschreibung bestimmter Krebs-Arzneien erhalten haben.

Bestechlichkeit - Onkologen unter Verdacht

Ein kleine Obolus extra: Deswegen wird gegen Dutzende Onkologen ermittelt.

© dpa

ERFURT (dpa). Bundesweit ermitteln Staatsanwälte gegen Krebsärzte wegen Bestechlichkeit. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, sind auch mindestens drei kleinere Pharmafirmen im Visier der Ermittler. Sie sollen systematisch bestochen haben, heißt es.

Die Unternehmen sollen Kassenärzten Geld gezahlt haben, wenn sie deren Krebspräparate bevorzugen. Auch gegen Dutzende Ärzte und einige Apotheker wird demnach ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat Anklage erhoben gegen einen Arzt und zwei Apotheker aus Thüringen.

Der Arzt soll von den beiden Apothekern Vorteile und Zahlungen in einer Größenordnung von einigen 100.000 Euro erhalten haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Der Thüringer Arzt soll dafür kassiert haben, dass er Zytostatika bei diesen Apothekern bezog. Die Vereinbarungen zwischen dem Arzt und den beiden Apothekern sollen nicht zeitgleich, sondern nacheinander getroffen worden sein.

"Es gab aber die gleiche Vorgehensweise", sagte Grünseisen. Nach seinen Angaben wurde die Anklage gegen das Trio wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung bereits vor einiger Zeit erhoben.

Die Anklage sei dem Landgericht Mühlhausen zugeleitet worden. Zum Verhandlungstermin konnte Grünseisen nichts sagen.

Bis zu eine halbe Million "Mietzuschuss"

"Der Spiegel" berichtet außerdem, dass die Staatsanwaltschaft Dresden Anklage gegen Verantwortliche der Pharmafirma Oncosachs erheben wolle.

Die Leipziger Firma soll den Krebsärzten mehrere hundert Euro pro Patient gezahlt haben, wenn die Mediziner ihre Präparate bevorzugten.

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, sagte dem Magazin, ermittelt würde wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit auch gegen 47 Krebsärzte aus mehreren Bundesländern.

Sie sollen bis 2008 vor allem "Mietzuschüsse" von Oncosachs kassiert haben. Später soll das Geld über Scheinstudien geflossen sein. Ein Arzt soll dabei beispielsweise von 2005 bis 2011 mehr als eine halbe Million Euro erhalten haben.

In München hat die Staatsanwaltschaft laut "Spiegel" ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit gegen den Geschäftsführer von Ribosepharm eröffnet, die Krebssparte der Pharmafirma Hikma.

Ein Sprecher der AOK Niedersachsen bestätigte der dpa, dass man bereits im November eine entsprechende Meldung an die Staatsanwaltschaft München gemacht habe.

In Hamburg ermittelt laut "Spiegel" die Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Krebsmittelherstellers Zyo Pharma wegen des Verdachts der Bestechung.

[08.04.2012, 18:26:04]
Peter Pachmann 
Überprüfung der Wirksamkeit von Chemotherapien
Nicht nur die Pharmafirmen, auch die Ärzte sollten sich an den Eid des Hippokrates erinnern. Er ist auch heute noch Bestandteil ärztlicher Ethik – oder sollte es zumindest sein. Wie lautet denn ein Teil des Eides, der hier am stärksten gebroche wurde: "Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden."

Auch von Seite des Controllings sollte hier Einhalt gegeben werden. Die medizinische Entwicklung zeigt Patienten, die sich ihrer onkologischen Betreuung nicht sicher sind, Mittel und Wege auf, der Geldgier einiger anscheinend ihrem Berufsethos nicht gerecht werdender Ärzte entgegenzutreten. Im Labor meines Vaters zum Beispiel, er ist Prüfarzt, kann mit dem maintrac Bluttest anhand der zirkulierenden Tumorzellen das Medikament identifiziert werden, das für jeden einzelnen Patienten die höchste Wirkungswahrscheinlichkeit aufweist – unabhängig von jeglichen Pharmafirmen.

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