Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

Spanien

Grünenthal soll Millionen an Contergan-Opfer zahlen

Rund 180 spanische Contergan-Geschädigte sind gegen den deutschen Arzneimittelhersteller Grünenthal vor Gericht gezogen. Die Richter erkennen aber nur in 23 Fällen einen Anspruch auf Schadenersatz an.

MADRID. Ein spanisches Gericht hat das deutsche Pharmaunternehmen Grünenthal am Mittwoch in erster Instanz auf Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe an Contergan-Opfer verurteilt. Dem Urteil zu Folge muss Grünenthal jedem einzelnen Geschädigten für jeden Prozentpunkt der Behinderung 20.000 Euro zahlen.

Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern erlitten auch Tausende Menschen in Spanien in den 50er und 60er Jahren schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Einnahme von Grünenthals Thalidomid-Medikamenten.

Grünenthal nahm seine Thalidomid-Präparate in Deutschland bereits 1961 vom Markt, die in verschiedenen Beruhigungs- und Schmerzmitteln enthalten waren und bei Einnahme in frühen Schwangerschaftsmonaten schwere Fehlbildungen an den Föten und auch Totgeburten verursachten.

Der spanische Contergan-Opferverband Avite, der eine Sammelklage einreichte, wirft dem deutschen Arzneimittelproduzenten jedoch vor, das Mittel in Spanien erst 1965 aus dem Umlauf genommen zu haben.

23 von 184 Geschädigten sollen Schadenersatz erhalten

Avite-Vizepräsident Rafael Basterrechea gab sich mit dem Urteil "zufrieden". Die spanischen Contergan-Geschädigten haben Behinderungen zwischen 30 und 90 Prozent, womit jedes Opfer durchschnittlich mit einer Entschädigung von bis zu einer halben Million Euro rechnen kann, so Basterrechea.

Das Gericht erkannte jedoch nur die Ansprüche von 23 der insgesamt 184 Kläger an, da die Behinderungen der restlichen Betroffenen entweder noch nicht einwandfrei als Folge der Einnahme der schädlichen Thalidomid-Stoffe eingestuft wurden oder die jeweiligen Schwangerschaften nach der Rücknahme des Medikaments durch Grünenthal registriert wurden.

Basterrechea geht jedoch davon aus, dass das Urteil auch die Tür für die restlichen Opfer-Ansprüche offen lässt.

Der deutsche Arzneimittelhersteller sieht die Verantwortung in diesen Fällen beim spanischen Vertreiber, der die Medikamente in Spanien weiterverkaufte und nicht vom Markt nahm. Grünenthal kann noch Einspruch gegen das Urteil erheben. (mame)

[22.11.2013, 15:27:47]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zum Thalidomid-Skandal in Spanien
Herman Cousy, Professor an der katholischen Universität in Leuven, Belgien, hat mit dem Titel "Das Vorsorgeprinzip: Ein fragwürdiger Status" ["The Precautionary Principle: A Status Questionis"], 1996 publiziert von der "Association international pour l'étude de l'économie de l'assurance", der Internationalen Vereinigung zum Studium der Versicherungsökonomie, in erster Linie das deutsche "Vorsorgeprinzip" (Prof Dr. Peter Marburger, Trier) kritisch untersuchen wollen.
https://www.genevaassociation.org/media/231494/ga1996_gp21(79)-cousy.pdf

Um Thalidomid (Contergan®) der Firma Grünenthal ging es dabei nur in einer Fußnote, so dass dies den Ansprüchen von 23 der insgesamt 184 Kläger in Spanien nicht wirklich weiterhilft, ihre berechtigten Ansprüche insgesamt durchzusetzen. Denn es bleibt ein Widerspruch, warum das hierzulande so geliebte und von Regierung, Gesundheitsbürokratie, Versorgungsforschung, Medien und Öffentlichkeit geförderte "Vorsorgeprinzip" ausgerechnet bei Thalidomid n i c h t gewirkt hatte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Übrigens, mit "Guv’mints" sind keine Kaugummis sondern "Governments" also "Regierungen" gemeint.
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[22.11.2013, 00:51:07]
Ivo Cerckel 
Die Wahrheit
1.
One often cites the Thalidomide (Contergan) case as an example of a development risk situation, although it appears that when thalidomide was brought on the German market, the product had been banned in France.
Can it be readily upheld, under such circumstances, that the condition for a development-risk situation were fulfilled? (1)

Guv’mints - in Spain and elsewhere - should never have allowed thalidomide to "their" markets.

2.
When were the claimants born?

The whistle on thalidomide was blown on 30 April - 1 May 1960
at a Düsseldorf congress of neurologists where
neurologist Dr. Ralf Voss warned that it attacked the nervous system of the ... mother. (2)

Nobody born more than 9 months later, that’s after 01 February 1961, can claim that her birth defect has been caused by the maker of thalidomide.

Guv’mints, which should never have allowed thalidomide to "their" markets in the first place, should have withdrawn their licence in May 1960.

NOTES

(1)
Herman Cousy,
The Precautionary Principle: A Status Questionis,
The Geneva Papers on Risk and Insurance - Issues and Practice,
1996, vol. 21, issue 2, pages 158-
https://www.genevaassociation.org/media/231494/ga1996_gp21%2879%29-cousy.pdf
p. 163 footnote 28

(2)
Chronik des Contergan-Skandals – Contergan – WDR.de
Tragödie – Katastrophe – Skandal?
http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_contergan/contergan176.html

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