Ärzte Zeitung online, 27.12.2013

Koagulation mal anders

Chirurg signiert Patientenleber

War er nur ein Witzbold, oder trieb ihn die Eitelkeit? Ein britischer Chirurg soll mindestens eine Patientenleber mit seinen Initialen "graviert" haben. Die Sorge geht um, dass es noch mehr Fälle gibt.

Chirurg signiert Patientenleber

Queen-Elizabeth-Hospital in Birmingham: Gibt es hier Signaturen auf die Leber?

© dpa

BIRMINGHAM. Ein britischer Viszeralchirurg ist von seinem Job beurlaubt worden, weil er Patientenlebern "signiert" haben soll. Der Mann soll am Queen-Elizabeth-Hospital in Birmingham bei mindestens einem Patienten seine Initialen auf ein Lebertransplantat gebrannt haben, berichten britische Medien.

Nach Agenturangaben hat der britische Gesundheitsdienst NHS bestätigt, dass es derzeit eine Untersuchung wegen des Vorfalls gebe. Einzelheiten wollte der NHS aber nicht nennen. Der Chirurg sei vom Dienst suspendiert worden.

"Nach Vorwürfen des Fehlverhaltens hat die Krankenhausgesellschaft des Universitätskrankenhauses Birmingham einen Operateur suspendiert, während eine interne Untersuchung abgeschlossen wurde", teilte der NHS in einer knappen Stellungnahme mit. Der Chirurg bestritt britischen Medien gegenüber, beurlaubt worden zu sein.

Über den Fall berichtete zunächst die britische Zeitung "Daily Telegraph". Dem Blatt zufolge soll Dr. Simon Bramhall, Experte für hepatobiliäre Chirurgie, auf ein Lebertransplantat "SB" gebrannt haben. Aufgefallen seien die Buchstaben später einem Kollegen bei einem routinemäßigen Eingriff.

Für seine "Unterschrift" soll der Chirurg einen Argonbeamer verwendet haben. Die Argon-Plasma-Koagulation (APC) wird, ähnlich wie andere Geräte der Hochfrequenzchirurgie, üblicherweise zur Blutstillung sowie zur Resektion von Geweben und Tumoren eingesetzt.

In Großbritannien macht sich derweil die Sorge breit, dass der bekannt gewordene Fall kein Einzelfall war. Joyce Robins von der Patientenorganisation "Patient Concern" verurteilte die Tat: "Wir reden hier über einen Patienten und nicht ein Autogrammbuch", sagte sie Medienberichten zufolge. (nös)

[27.12.2013, 11:45:08]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
(K)ein Einzelfall?
Dieser Bericht erinnert an einen Vorfall, der im Jahr 2000 bekannt wurde. Der New Yorker Geburtshelfer Dr. A. Z. war nach einer von ihm durchgeführten Sectio caesarea von dem postoperativen Ergebnis wohl so begeistert, das er seine Initialen "A Z" in die Bauchdecke der Patientin einritzte, nachdem er dies gegenüber dem Entbindungspersonal im Krankenhaus angekündigt hatte. Seine Arzt-Lizenz wurde ihm umgehend entzogen. Er plädierte allerdings später lt. seinem Anwalt auf Grund eines angeblichen Hirnschadens auf Unzurechnungsfähigkeit im Sinne der Anklage.
["Thursday, 10 February, 2000, 10:17 GMT
Doctor who carved initials is charged
The doctor's victim wants $5m damages
A doctor who carved his initials on a patient's abdomen has been arrested and charged in New York. Dr Alan Zarkin used his scalpel to carve his initials on the stomach of Liana Gedz. He said he believed the caesarean section he had performed on her was a work of art worthy of signing. 'I did such a beautiful job, I will initial it,' Dr Zarkin told hospital workers in the delivery room. Dr Zarkin has already lost his medical licence over the incident.
Brain disease
...Barry Fallick, Dr Zarkin's lawyer, admits that his client carved the letters AZ on Ms Geds' abdomen. But he says his client is not responsible because he suffers from a brain disease that impairs his judgement."] Quelle:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/637705.stm

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM zum Beitrag »

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