Ärzte Zeitung, 30.07.2014

Nierentransplantation

Lebendspende in Heidelberg schlägt Wellen

Die Universitätsklinik in Heidelberg steht wegen einer Nierentransplantation in der Kritik. Am Ende war ein Patient gestorben.

Lebendspende in Heidelberg schlägt Wellen

Niere ex vivo: Haben sich Heidelberger Transplanteure einen Kunstfehler mit Todesfolge geleistet?

© horizont21 / fotolia.com

HEIDELBERG. Anfang März dieses Jahres ging bei der Heidelberger Staatsanwaltschaft eine Anzeige der Bundesärztekammer "gegen drei namentlich bekannte Ärzte" am Universitätsklinikum Heidelberg ein.

Dem Leiter der dortigen Urologischen Abteilung, dem Leiter des Nierenzentrums und einem Transplantationschirurgen wird vorgeworfen, für den Tod eines Patienten nach Transplantation einer von seiner Ehefrau gespendeten Niere verantwortlich zu sein.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter medizinischer Gutachter hat die Indikation und Durchführung der Nierentransplantation nach der Lebendspende nun zu bewerten.

Über einen Bericht in der "Süddeutschen Zeitung" sind Einzelheiten an die Öffentlichkeit gelangt. Die Transplantation sei bei dem dialysepflichtigen Mann durchgeführt worden, obwohl gewichtige medizinische Gründe dagegen gesprochen hätten, wie aus bereits vorliegenden Gutachten hervorgeht.

So habe eine Unverträglichkeit der Blutgruppen zwischen dem Empfänger und der Spenderin vorgelegen, und der Empfänger sei zudem akut an Prostatakrebs erkrankt gewesen.

Die Heidelberger Chirurgen hätten die Prostatektomie und die Transplantation der Niere in einer Sitzung durchgeführt. Dies wird in Fachkreisen äußerst kritisch gesehen. Der Patient und seine Ehefrau hätten der Spende zwar zugestimmt.

Jedoch seien Fragen und Bedenken zur Transplantation, die im Vorfeld vom Patienten selbst und seiner spendenden Ehefrau immer wieder geäußert worden seien, "von den Ärzten heruntergespielt" worden, so lauten die Vorwürfe.

Wenige Monate nach der Transplantation musste das Spenderorgan entfernt werden, der Patient verstarb schließlich an Multiorganversagen. Seine Ehefrau leide noch heute an den körperlichen und seelischen Folgen.

Das Universitätsklinikum wollte am Dienstag in Anbetracht des "laufenden Verfahrens" keine ausführliche Stellungnahme zu dem Fall abgeben. (bd)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »