Ärzte Zeitung, 06.10.2014

Urteil

Attest brachte Beamtem Steuervorteil

Wer am Arbeitsplatz gemobbt wurde, kann eigene Ausgaben für notwendige Behandlungen als Werbungskosten steuerlich geltend machen.

NEU-ISENBURG. Nur in zwei Fällen werden Ausgaben für Therapien und Klinikaufenthalte steuerlich als Werbungskosten (oder bei Selbstständigen als Betriebsausgaben) anerkannt: Entweder sind sie durch eine typische Berufskrankheit verursacht oder der Zusammenhang zwischen Beruf und Erkrankung steht eindeutig fest oder er ist zumindest offenkundig.

In einem vom Finanzgericht Rheinland-Pfalz kürzlich entschiedenen Fall lag ein Kommunalbeamter jahrelang im Streit mit seinem Vorgesetzten, dem Bürgermeister.

Die Sache eskalierte, als der Bürgermeister 2009 dem Beamten wegen angeblich exzessiver privater Nutzung das Telefon sowie E-Mail-Postfach und Internet-Zugang sperren ließ.

Es folgten gegenseitige Strafanzeigen, die jeweils im Sande verliefen. Ein Arzt attestierte dem Beamten schließlich einen "Burn-out und eine depressive Entwicklung, die auf einer chronifizierten beruflichen Stresssituation mit krisenhafter Verschlimmerung, insgesamt eine sehr belastende Mobbingsituation zurückzuführen" sei.

2010 folgten deshalb zwei Aufenthalte in einer spezialisierten Privatklinik. Die Kosten von rund 2500 Euro, die von der Beihilfe und privaten Krankenkasse nicht übernommen wurden, machte der Beamte als Werbungskosten geltend.

Zu Recht, so das Finanzgericht. Die psychosomatischen Störungen seien ausweislich der ärztlichen Bescheinigung unzweifelhaft durch die berufliche Konfliktsituation entstanden.

Wer die verursacht habe und ob tatsächlich Mobbing vorgelegen habe, spiele dabei keine Rolle.

Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Az.: 2 K 1152/12

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »